© Maximilian Bähnisch

Kilimandscharo Trekking:

Pole Pole - Ein Aufstieg in Etappen

01.01.2026

Ein humorvoller Erfahrungsbericht vom Meru- und Kilimandscharo-Trekking in Tansania

Von Frankfurt über Doha bis Dschungel

Alles beginnt für uns, die Teilnehmer – wie so viele große Abenteuer – mit einer Sicherheitskontrolle am Flughafen. Alvas Rucksack sorgt für Verwirrung (irgendwo im Rückenpolster scheint sich ein kleiner Panzer zu verstecken), aber sie darf trotzdem mitfliegen.

Qatar Airways verwöhnt uns sechs Abenteuerlustige mit mehr Beinfreiheit und Kinoprogramm als so manches Wohnzimmer. Wir schauen Filme was

das Zeug hält, versuchen ein wenig zu schlafen, und landen leicht übernächtigt in Tansania auf dem Kilimanjaro International Airport.

Die Fahrt zu unserer Unterkunft, die Extrek Farm, ist holprig – sehr holprig. Straßen sind hier ein dehnbarer Begriff, aber schließlich erreichen wir ein grünes Paradies mit Mango-, Bananen- und Papayabäumen. Die Farm ist ein Ruhepol, bevor das große Abenteuer losgeht. Moskitozelte, Hängematten und Ziegen vor der Tür ergänzen das grüne Paradies– was will man mehr?

Walking Safari und Massai-Showdown

Nach dem ersten Ruhetag geht es los: Walking Safari mit einem Massai-Guide. Wir lernen mehr über Pflanzen als in jedem Biounterricht – von Zahnbürstenbäumen über Geburtshilfeakazien bis zu Busch-Toiletten. Zwischendurch finden wir uns in riesigen Giraffen-, Zebra- und Gnu-Herden wieder.

Zur Begrüßung im Massai-Dorf Olpopongi bekommen wir den traditionellen Tanz des Dorfes vorgeführt.

Anschließend werden wir mit einem typischem Massai-Buffet verwöhnt. Besonders die gekochten Bananen, ob als Eintopf oder zur Suppe verarbeitet, haben es  fast allen angetan. Wir werden ins Haus der Dorfältesten gebeten – 111 Jahre soll sie sein, aber wer zählt da schon so genau mit. Dort gibt es Tee – eine würzige Mischung aus Milch, Ingwer und weiteren nicht genannten Zutaten. Augen zu und durch! Zum Abschied tanzen wir mit der Dorfgemeinschaft. Mit Rhythmus im Blut verabschieden wir uns und fahren nach einem eindrucksvollen Tag wieder zurück zur Extrek Farm.

Mount Meru: Warm-Up im Regenwald

Der Mount Meru dient vor allem der Akklimatisierung. Nach zwei Übernachtungen in einfachen Holzhütten steigen wir bis auf den 3.820 m hohen Little Meru auf. Akklimatisierung/Höhenanpassung ist hier neben dem Gipfel das Hauptziel. Mit dabei: ein bewaffneter Ranger – Raimund. Er begleitet uns auf unserem Weg mit wachsamen Augen und beschützt uns vor allem vor den Büffeln, die um uns herum durchs Unterholz grunzen. Der Aufstieg verläuft größtenteils durch dichten, feuchten und vor allem rutschigen Regenwald. „Pole, pole” – langsam, langsam – ist hier nicht nur eine Empfehlung, sondern echte Überlebensstrategie. Intensives Atmen und immer wieder staunen beschäftigt unsere Gedanken.

Nach den Tagesetappen bekommen wir Tee zum Aufwärmen und Popcorn zur Stärkung. Popcorn nach knapp 1.000 Metern Aufstieg schmeckt jedenfalls besser als bei einer Actionkomödie im Kino. Die Holzhütten sind kalt und feucht, aber der Schlafsack und die zur Wärmflasche umfunktionierten Trinkflaschen bringen uns warm durch die Nächte.

Gipfelglück auf dem Little Meru

In der zweiten Nacht geht’s um 5:30 Uhr los. Stirnlampen an, Augen halb zu. Wir erreichen den Gipfel des Little Meru um 7 Uhr. Unsere Blicke richten sich auf den Kilimandscharo, wie er majestätisch in den Wolken liegt, dahinter geht gerade die Sonne auf. Magisch.

Die ersten Höhenerscheinungen machen sich in der Gruppe bemerkbar. Der Bedarf nach gekochten Kartoffeln und trockenem Reis nimmt zu.

Der Meru verabschiedet sich von uns mit einem sehr matschigen Abstieg und einer großen Gruppe Pavianen, die unbekümmert durch den Dschungel zieht. Zurück auf der Farm widmen wir uns alle zuerst dem dringend nötigen Duschritual. Morgen haben wir uns einen Ruhetag verdient.

 

Kilimandscharo: Matsch & Magie der Umbwe-Route

Der Kili-Einstieg mit der seit Jahren nur selten begangenen steilen Umbwe-Route ist… nun ja, nass. Dauerregen und Schlammschlacht deluxe im steilen Regenwald. Unser Bus kommt auf der völlig durchweichten lehmigen Straße nicht bis zum Umbwe Gate durch. Statt gemütlichen Ankommens heißt es: komplettes Gepäck abladen und durch den teilweise wadentiefen Matsch schleppen. Unser großes Team von rund 30 Personen, inklusive Guides, Köchen, Trägern und uns selbst muss irgendwie ans Ziel kommen. Die Lösung: tansanische Improvisation! Zwei klapprige Kleinbusse und ein (!) Motorrad nehmen uns samt Gepäck Huckepack. Während sich die Motoren durch den Schlamm kämpfen, halten wir an manchen Stellen die Luft an – ob wir hier stecken bleiben? Keine Garantie. Aber irgendwie kommen wir dann doch an, klatschnass und leicht verschlammt, aber bereit.

Der Aufstieg startet verspätet. Die Bedingungen im Regenwald – schon abenteuerlich: Matschige und rutschige Pfade, feuchte Luft und durchnässte Kleidung. Unsere Gamaschen und Regenschirme kapitulieren früh. Auch in unserem ersten Camp, dem Umbwe Cave Camp, angekommen, hört der Regen nicht auf. Die Zelte sind nass, unsere Sachen auch – und nichts davon wird in nächster Zeit trocknen. Doch in all dem feuchten Chaos gibt es einen Lichtblick: Popcorn und heißer Tee im nasskalten Zelt! Ein Hoch auf die kleinen Dinge, die im Tal kaum auffallen würden, aber auf einer Höhe von knapp 3.000 Metern Herzen erwärmen können.

Am nächsten Tag steigen wir weiter auf zum Baranco Camp. Nach kurzer Zeit bricht die Sonne durch. Die Laune erhellt sich mit jedem Schritt. Wir steigen steil über wurzelige Pfade – endlich T-Shirt-Wetter! Wir kraxeln begeistert durch den Dschungel und nehmen ein erstes Gefühl an echter Höhe auf: Die Atemfrequenz geht rauf, die Stimmung auch! Wir erreichen das Baranco Camp auf 3900 Metern. 

Hier genießen wir einen spektakulären Ausblick auf die steile felsige Südwand, die uns am nächsten Tag erwarten wird.

Die erste kalte Nacht unter dem Gefrierpunkt steht uns bevor. Wir kriechen in unsere Zelte und ziehen den Reißverschluss des Schlafsackes so weit zu, wie es nur geht.

 

Schattenklettern & Sonnenpausen

Die Wand ist spektakulär und ein einziger Kletterspielplatz. An den engen und schwierigen Stellen herrscht regelrechtes Verkehrschaos zwischen aufsteigenden Touristen mit deren Guides und den Trägern. Es ist laut, es ist bunt, aber es macht vor allem richtig Spaß. Die ganze Wand liegt im Schatten, es ist frisch, die Hände werden beim Klettern kalt. Erst als wir den höchsten Punkt der heutigen Etappe mit 4.200 m erreichen, stehen wir plötzlich im vollen Sonnenschein. Und mit einem Mal gibt die Wand den Blick auf den Kilimandscharo frei, ganz unvermittelt, ganz nah. Hier legen wir eine ausgiebige Pause ein. Endlich sitzen, Sonne tanken und durchatmen.

Kurz darauf erreichen wir das Karanga Camp auf 3.995 m und es folgt prompt die Belohnung des Tages: Pizza zaubern unser Koch und Gehilfen auf die Teller! Auf knapp 4.000 Metern – Luxus kennt viele Formen. Leichter Kopfschmerz meldet sich bei einigen, Tribut der Höhe. Wir vertreiben uns die Zeit bis zur nächsten kalten Nacht.

Wo der Atem flach & der Wille tief ist

Es ist bereits der vierte Tag am Berg. Alvas Kopf dröhnt, ihr Bauch rebelliert – eine persönliche Höhenprobe. Ihr Frühstück bleibt liegen, dafür muss sie oft rennen (nicht sportlich, eher… Sanitärexpress). Es steht heute nur eine kurze Etappe an – „nur” bis auf 4.673 Meter hoch zum Barafu Camp. Dort angekommen herrscht wildes Treiben. Laufen doch hier die meisten der Aufstiegsrouten zusammen. Das Basislager ist voller Bergwanderer aus aller Welt, alle mit dem gleichen Ziel: der Gipfel. Barafu Camp das letzte Lager vor dem finalen Aufstieg – Endstation Normalzustand.

Die Nacht vor dem Gipfel wird zur Bewährungsprobe. Vor dem Schlafengehen ziehen wir bereits Schicht um Schicht an, selbst die Bergschuhe finden Platz im Schlafsack, die Wärmflasche wird aufgefüllt und die Gedanken kreisen. Wir sind bereit, auch Alva ist bereit. Irgendwie.

 

Gipfelnacht: Schritt für Schritt auf 5.895 m

Mitternacht. Weckruf. Knappes Frühstück für alle. Auch Alva zwängt sich einen trockenen Toast rein und ignoriert ihren rebellischen Magen. Wir stapfen los. Die Nacht ist klar, der Sternenhimmel wie ausgestanzt. Minus 8 Grad. Dennoch, die Dunkelheit der Nacht vergeht schneller als befürchtet. Vielleicht weil es nichts anderes gibt als diesen Rhythmus. Atmen. Gehen. Atmen. Gehen. Das wird unser Mantra. Keine Gespräche, keine Gedanken – nur Schritte auf Stein, leuchtende Stirnlampen und endloses Zick-Zack nach oben. Langsam kitzelt uns die aufgehende Sonne im Gesicht. Mit dem ersten Tageslicht erreichen wir den 5.756 m hohen Stella Point am Rande des Kraters. Endlich scheint der Gipfel greifbar.

Doch vor uns liegt noch etwa eine gute Stunde Gehzeit über weite knirschende Firnfelder. Die Steigung ist nun endlich moderat, aber die Luft wird immer dünner, die Schritte schwer. Links von uns beeindruckende Eiswände.

08:09 Uhr: Uhuru Peak. Wir sind oben! Tränen. Freude. Erinnerungsfotos. Und gleichzeitig der Wunsch: „Schnell wieder runter!”

Der lange Weg zurück

Der Abstieg fühlt sich endlos an. Über rutschige Schutthänge geht es zurück ins Camp. Der Kopf schreit: Nur runter! Alvas Magen: Notfall! Sie lässt die beiden weiterdiskutieren und setzt einen gezielten Schritt vor den nächsten.

Zurück im Camp angekommen, erwartet uns fast surrealer Luxus: frischer Obstsalat. Wir stürzen uns darauf, wie eine Gruppe ausgehungerter Bergziegen. Dann: schnelles Zusammenpacken und Camp abrüsten, kurz durchatmen und weiter. Noch 700 Höhenmeter Abstieg bis zum letzten Camp.

Nach insgesamt 14 Stunden Gehzeit ist es geschafft. Die letzte Nacht am Berg: Alle schlafen direkt ein – tief und traumlos. Am nächsten Morgen bringt uns der Weg durch den Regenwald wieder zurück in die Zivilisation – und zur heißesten Dusche seit Tagen. Nach einem weiteren Erholungstag auf der Extrek Farm verabschieden wir uns von Tansania – und Alva weiß es jetzt: Egal wie matschig, wie kalt, wie kräftezehrend – der Kilimandscharo hat ihr Herz erobert. Und ihre Verdauung auch. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Fazit

Der Kilimandscharo und besonders die fast vergessene Umbwe-Route ist kein Spaziergang. Aber auch kein Wettrennen. „Pole pole“ – langsam langsam – bringt dich weiter als du denkst. Und manchmal ist der Gipfel nicht das Ziel. Sondern das nächste Klo. So hatte diese Reise viele Höhenflüge und einzelne Tiefpunkte. Plus Popcorn. Und Pizza auf 4.000 Metern. Wer braucht da noch Meerurlaub?