© Alva Elena Py

Hochtour Westalpen — Zwischen Gewitter, Gletscher und Gipfelglück

25.07.2026

Wenn Wetterbericht, Berg und Tagesform zusammenpassen, entstehen Touren, die lange in Erinnerung bleiben. Genau so eine Woche erlebte unsere Hochtourengruppe  Ende Juni in den Westalpen unter der Leitung von Peter Trzaska.

Schon der Auftakt hatte einiges zu bieten: Über Chamonix führte der erste Hüttenanstieg bei sommerlicher Hitze zur Refuge de la Flégère. Als Belohnung wartete ein beeindruckender Blick auf das Mont-Blanc-Massiv – der perfekte Einstieg in eine Woche voller alpiner Höhepunkte.

Dass in den Bergen nicht immer alles nach Plan verläuft, zeigte sich bereits am nächsten Tag. Auf dem langen Aufstieg zur Refuge des Conscrits zog ein heftiges Gewitter auf. Während ein Teil der Gruppe es den Steinböcken gleichtat und geschützt in einer Felsspalte das Schlimmste abwartete, kämpfte sich der bereits vorausgeeilte Teil bis kurz vor die Hütte vor. Dort hatte sich ein harmloser Bach innerhalb kürzester Zeit in einen reißenden Wildbach verwandelt. Da ohnehin niemand mehr trocken war, hieß es: geeignete Stelle suchen, durchwaten und schnell weiter. Wenig später trafen alle wohlbehalten an der Hütte ein – durchnässt, aber erleichtert und um ein gemeinsames Erlebnis reicher.

Die nächsten Tage zeigten sich die Westalpen dann wieder von ihrer schönsten Seite. Über Fels und Firn ging es auf den Aiguielle de la Bérangère (3425m), wo eine kurze, brüchige Kletterei zum Gipfel führte. Dort eröffnete sich ein grandioser Blick auf den Mont Blanc und das nächste große Ziel der Woche: die Dômes de Miage. Der Abstieg sorgte anschließend für beste Laune. Der von der Sonne aufgeweichte Firn lud zu einer ausgedehnten Rutschpartie ein.

Ein Schlechtwettertag wurde kurzerhand sinnvoll genutzt. Statt Gipfel stand Gletscherausbildung auf dem Programm: Spaltenbergung, Seiltechnik und andere wichtige Handgriffe wurden aufgefrischt.

Der Höhepunkt der Woche wartete schließlich mit der geplanten Überschreitung der Dômes de Miage. Bereits um 3:20 Uhr klingelte der Wecker, denn nur in den frühen Morgenstunden bietet der Gletscher die besten Bedingungen. Nach dem Anseilen führte die Route über den noch harten Gletscher, vorbei an eindrucksvollen Spalten und schließlich in steileres Gelände bis auf den zweiten Dôme de Image Gipfel (3633m). Rund 1.200 Höhenmeter und sechs Stunden später war die Freude entsprechend groß. Der Blick über die vergletscherte Hochgebirgslandschaft entschädigte für jeden Schritt.

Für die komplette Überschreitung spielte am Ende allerdings ein entscheidender Faktor nicht mit: der Wind. Auf dem schmalen Grat bliesen die Böen so heftig von der Seite, dass die Gruppe gemeinsam entschied umzudrehen. Eine Entscheidung, die einmal mehr zeigte, dass erfolgreiche Hochtouren nicht nur vom Gipfel abhängen, sondern vor allem von guter Einschätzung und verantwortungsvollem Handeln. 

Beim Abstieg zeigte sich das Wetter noch einmal von seiner besten Seite, bevor die Gruppe einen letzten Abend auf der Refuge de Tré-la-Tête verbrachte. Mit Blick auf die untergehende Sonne klang eine abwechslungsreiche Woche aus – voller gemeinsamer Erlebnisse, beeindruckender Landschaften und spannender Herausforderungen.

So blieb am Ende nicht nur die Erinnerung an einen erreichten Gipfel, sondern vor allem an eine gelungene Hochtour, bei der Abenteuer, Ausbildung und Kameradschaft perfekt zusammenpassten.