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Zu den Viertausendern der Westalpen

Hochtourengruppe der Sektion im Wallis und am Montblanc

Eine vielseitige Tourenwoche erlebte eine neunköpfige Bergsteigergruppe der Sektion in den schweizer und französischen Alpen unter der Leitung der Fachübungsleiter Peter Trzaska und Wolfgang Gurk. Das eigentliche Ziel dieser anspruchsvollen Ausfahrt war die Besteigung des Montblanc. Dies setzt eine entsprechende konditionelle Vorbereitung und Anpassung an die Höhe voraus, denn der mit über 4800m höchste Berg der Alpen ist bereits ein "Fast-Fünftausender". Um sich an die Höhe zu gewöhnen, wurde bewusst eine schrittweise Anpassung geplant. Wir erreichten mit einem Kleinbus das Saaser-Tal im Wallis, und stiegen bei besten Wetterbedingungen hinauf zur 2894m hoch gelegenen Almageller Hütte des Schweizer Alpenclubs. Die Hütte bietet ein hinreißendes Alpenpanorama, liegt sie doch gegenüber der berühmten Mischabelgruppe, die mit so berühmten Gipfeln wie Alphubel, Täschhorn, Dom, Nadelhorn und weiteren Viertausendern glänzt. Von der Hütte aus war am nächsten Morgen ein fast unbekannter, aber um so eindrucksvollerer Gipfel das Ziel. Der 3363m hohe Pizzo di Loranco, im Grenzkamm zu Italien gelegen, bot für eine Eingehtour beste Voraussetzungen: wegloses Gehen im Blockwerk, ein kleiner Gletscher und fester Fels am Gipfelgrat, der in leichter Kletterei überwunden wurde. Eine weite Aussicht tief hinunter auf den fernen Lago Maggiore, die Po-Ebene und den Appenin am Horizont belohnte den Aufstieg. Noch im Dunkel des anbrechenden Morgens verließen wir am nächsten Tag die Hütte, um den 4023m hohen Weißmies über den Südgrat zu ersteigen. Mit Hilfe der Stirnlampen suchten wir den Weg hinauf auf den Zwisch­bergenpaß, der genau im Zeit­punkt des Sonnenaufgangs bei eisigen Tem­peraturen erreicht wurde. Beglück­ende Momente, als die Berg­spitzen sich orange färbten, über dem noch dunklen Tal eine Wolkendecke. Erst über stei­len Firn, später herrliche Grat­kletterei und zuletzt über einen schneidigen Firngrat erreichten alle Teilnehmer den Gipfel. Für die meisten war es der erste Viertausender, was gebührend anerkannt wurde. Großartig war bei klarem Wetter die weite Aussicht über die Walliser Alpen und die niedrigeren italienischen Berge. Dem Erlebnis des Aufstiegs stand der Abstieg in nichts nach. Durch die vollständig vergletscherte Nord-Westflanke ging's durch gigantische Eisbruchzonen, an meterlangen Eiszapfen vorbei, über steiles Eis talwärts. Die über 3100m hoch gelegene Hohsaashütte wurde als Quartier ausgewählt. Auf der Terrasse genossen wir bis zum Abend das großartige Gipfelpanorama und schauten immer wieder zurück auf die gewaltige Eisflanke des Weißmies. Am frühen Morgen folgte der lange Abstieg ins Tal, wieder bei bestem Wetter und klarer Sicht auf die imposanten Gletscherberge. Das saftige Grün des Tales mit seinen Almen und Lärchenwäldern wurde nach den Tagen im Ödland und Eis besonders intensiv genossen.

Weiterfahrt vom Wallis nach Chamonix in Frankreich. Eine ganz andere Bergwelt tut sich auf: leuchtende weiße Gletscherströme, die sich bis in Talnähe hinabziehen, die Berge schroff, mit unzähligen spitzen Granitnadeln besetzt. In dieser Umgebung sollte also der zweite und ernstere Teil der Ausfahrt stattfinden. Mit Hilfe von Seil- und Zahnradbahn erleichterten wir uns den Anstieg zur gut 3100m hoch gelegenen Tête-Rousse-Hütte. Von hier aus hatten wir bereits einen guten Einblick in die tief verschneite Nordflanke der Aig. du Goûter, auf deren Gratkante eine der höchst gelegenen Hütten der Alpen liegt. Da aber diese Hütte während der gesamten Saison stark überbelegt ist, entschloss sich die konditionell gut vorbereitete Gruppe, den anstrengenden Weg auf den Gipfel des Montblanc direkt von der Tête Rousse Hütte aus anzugehen. Das Wetter war immer noch ausgezeichnet, die Stimmung und Verfassung der Bergsteiger bestens. So war am Morgen schon um 1 Uhr wecken angesagt, die komplette Ausrüstung wurde bereits im Lager angezogen - bis auf Steinschlaghelm, Rucksack und Steigeisen. Ungewohnt, so früh zu frühstücken, dazu noch in voller Montur. Wenig später stieg die Gruppe im Schein der Stirnlampen durch die Nordwest-Flanke der Aig. du Goûter, über den Gipfeln glitzernde Sterne, unten im Tal von Chamonix schien sich in den winzigen Lichtern der Sternenhimmel fortzusetzen. In zügiger Kletterei durch verschneite Felsen war bald die Goûter-Hütte in über 3800m Höhe erreicht.

Ab hier ging's nur noch über die weiten aber teils steilen Firnfelder dem Montblanc entgegen. Noch vor Sonnenaufgang war der gut 4300m hohe Dôme du Goûter erreicht. Von hier aus sollte sich erstmals bei dem Anstieg der Gipfel des Monblanc zeigen. Doch in der Dämmerung machte man nur eine graue Wolkenhaube aus, die Grate und Gipfel einhüllte, sich rasch nach unten verdichtete und mit hoher Geschwindigkeit von einem Höhensturm über die Grate getrieben wurde. Diese Situation ließ die Entscheidung, hier den Anstieg zum Gipfel abzubrechen, leicht werden. Es zeigt sich einmal mehr, dass eine Besteigung des höchsten Berges der Alpen nicht vorprogrammiert werden kann und dass neben der Kondition und Höhenanpassung der Bergsteiger das Wetter in großer Höhe eine entscheidende Rolle spielt. Auch wenn es vom Dôme du Goûter noch etwa 500 Höhenmeter bis zum eigentlichen Ziel gewesen wären, war man doch voller Genugtuung, einen beachtlichen Gipfel weit über der Viertausendergrenze relativ frisch gemeinsam erreicht zu haben. Absteigend wurde bald die Untergrenze der Sturmhaube erreicht, die sich der Berg aufgesetzt hatte, und wir genossen das Licht- und Schattenspiel der frühen Morgensonne in einer arktischen Landschaft. Nach schwierigem Felsabstieg wurde noch am Vormittag der Ausgangspunkt der Besteigung, die Tête Rousse Hütte erreicht. Hier beschloss wir, bis ins Tal weiter abzusteigen, um in Chamonix auf einem Zeltplatz zu übernachten. Mit französischem Käse und Rotwein wurden am Abend die erreichten Viertausender in gemütlicher Runde gebührend gefeiert. Der letzte Tag sollte noch zu Genussklettereien in den Südwänden der Aiguilles Rouge gegenüber der grandiosen Kulisse des Montblanc-Massivs genutzt werden, doch einsetzender Regen trommelte morgens auf die Zelte. Statt einer Klettertour machte die Gruppe noch einen Bummel durch den berühmten Bergsteigerort Chamonix, bevor die Heimreise angetreten wurde.

Obwohl das eigentliche Ziel der Ausfahrt, die Besteigung des Montblanc wetterbedingt nicht ganz erreicht wurde, war die Ausfahrt ein großer Erfolg und ein nachhaltiges Erlebnis für alle Teilnehmer.

Peter Trzaska und Wolfgang Gurk