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Mont Blanc Ausfahrt Juli 2008

„Zweimal oder Keinmal“

Die Stimmung ist düster. Wir sitzen auf der Refuge des Conscrits auf 2600 m fest. Seit gestern Abend schneit es ununterbrochen. Dicke Wolken verhüllen die eisigen Gipfel der Mont Blanc-Gruppe, auf deren Anblick wir uns schon seit Wochen gefreut hatten. Aber der Wettergott ist unbarmherzig und stellt unsere Nerven und Geduld hart auf die Probe. Was sollen wir tun? Zwei Vorbereitungstouren sollten uns für den großen Tag, für das Erreichen des höchsten Punktes der Alpen, den Mont Blanc fit machen. Höhenanpassung heißt das Zauberwort. Nur ist gerade nicht einmal daran zu denken, einen Fuß vor die Hütte zu setzen. Die Gesichter sprechen Bände – Enttäuschung macht sich breit. Noch vielmehr als Peter zu bedenken gibt, dass wir evtl. einen weiteren Tag abwarten müssen. Undenkbar! Nicht auszuhalten! Als er anregt, über einen Gebietswechsel ins Wallis nachzudenken, sinkt die Stimmung ins Bodenlose. Aber halt – warum sollten wir es nicht tatsächlich einfach ohne Vorbereitung angehen? Wir gewinnen einen Tag und könnten den Mont Blanc doch gleich zweimal besteigen – einmal zur Probe und dann in Echt. Man kommt schon auf komische Gedanken, wenn man mal zu einem Tag Nichtstun gezwungen ist. Beim Versuch acht Lager auf der Hütte zu reservieren werden wir allerdings nur belächelt. Die sind teilweise schon ein halbes Jahr vorher ausgebucht. Somit müssen wir auch diesen Plan wieder verwerfen... Ratlos wälzen wir uns an diesem Abend in unseren Lagern.

Der nächste Morgen beginnt früh und vielversprechend. Sternenklar. In der Dämmerung zeichnen sich die umliegenden Gipfel des Mont Tondu, der Dômes de Miage und der Aiguille de la Bérangère ab. Wir staunen und der Schnee knirscht unter unsren Füßen. Mit jedem Schritt werden wir hoffnungsvoller, munterer und überschwänglicher. Auf dem Gipfel des Bérangère ist das Eis gebrochen, jetzt kann der Anstieg zum Mont Blanc kommen.


„Tarte au Chocolat, Wurstplatte und Cordon bleu mit Spargel“

Wir sind in Frankreich und das merkt man zuerst mal an der Sprache – unsere Französischkenntnisse bringen uns des öfteren in Verlegenheit und ungeschickt stottern wir was von „parlez vous l’anglais?“ – aber auch am Essen. Sind die Zusammenstellungen meist auch etwas gewöhnungsbedürftig, schmeckt es doch immer vorzüglich. Ganz schnell stellen wir fest, dass es nicht immer Cordon bleu mit Spargel sein muss, gell Reiner. Andreas haben es besonders die Desserts angetan. Hier lassen die Franzosen wirklich keine Wünsche offen. Tarte au Chocolat, Crème brûlée, Fromage blanc avec Myrtilles und und und. Letztlich müssen wir Deutschen unseren Geschmackssinn nur beim Frühstück umstellen, denn auf die langersehnte Wurstplatte warteten wir fast immer vergeblich.


„Bangen, Kämpfen und Genießen“

Die Refuge du Nid d’Aigle, eine relativ neue und daher noch recht unbekannte Hütte, ist unser Ausgangspunkt für die Besteigung. Wir sind sofort begeistert. Tolle Lager – nur Waldemar konnte die Nacht auf Grund einiger hartnäckiger Schnarcher nicht genießen und hat es sich lieber auf dem Fußboden in der Küche bequem gemacht – unglaublich viele, unglaublich furchtlose Steinböcke und eine sehr nette Bewirtung – wir mussten den Hüttenwirt am späten Abend dann doch davon abhalten, unseren Guide Peter seine ganze Sammlung Genepi und sonstige Schnäpse testen zu lassen. Zeitig brachen wir am nächsten Morgen auf die bisher wohl anspruchsvollste Strecke zur Refuge du Gôuter auf. Da für den Nachmittag wieder Niederschlag angekündigt war und sich der Himmel schon verdunkelte hatten wir keine Zeit zu verlieren. Durch Schrofen und Schotter stiegen wir zur Refuge de Tête Rousse, von dort ein Schneefeld hinauf, das gefürchtete Steinschlagcouloir querend und ein scheinbar endlos langes Felsband bis auf 3400 m zu unserer Hütte. Kaum erreichten wir den Eingang setzte auch schon Schneefall ein. Erst mal durchatmen, viel trinken und Lager beziehen. Um die Toilette macht man hier oben am besten einen weiten Bogen – ein übler Geruch und Ausblick über dem Abgrund. Am Abend stellte sich erneut die Frage nach dem wie und wann und wird es bald aufhören zu schneien. Die Meldung von Kurt kommt um 23.30 Uhr: „es schneit wie net gescheit!“ Kommando „Weiterschlafen bis 1.30 Uhr.“ Dann wird es ernst. Sachen zusammenkramen, Ausrüstung anlegen, hoffen, dass die Batterien der Stirnlampen nicht versagen und alles ganz langsam; das Herz klopft auf der Höhe schon heftig genug.

Es schneit noch immer, aber jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Lichterkette der Bergsteigergruppen ist das einzige, was zu sehen ist. Sie schlängelt sich langsam aufwärts – zögerlich, denn die alten Spuren sind zugeschneit und die dichten Wolken verdecken jegliche Orientierungspunkte. Ob wir den Weg finden werden? Doch plötzlich blitzt der Vollmond durch ein Wolkenloch. Es wird heller und auf ca. 4400 m Höhe kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen durch. Dann reißt der Himmel auf und vor uns ragt im gleißenden Sonnenlicht die breite Nordflanke des Mont Blanc auf. Ein unvergesslicher, wundervoller Anblick! Auf einmal werden die Schritte leichter, die Kälte und der Wind nicht mehr ganz so biestig und die Gewissheit den Gipfel zu erreichen überwältigend. Auf den letzten Metern steigen wir zwischen Himmel und Erde auf dem schmalen Bosses-Grat entlang zum Gipfel auf 4808 m und erblicken keinen höheren Punkt rings um uns herum. Ein fantastischer Moment und eine gelungene Tourenwoche am Mont Blanc.


Unser Dreamteam: Waldemar Baumann, Reiner Beer, Andreas Mündlein, Manfred Liedtke, Andreas Saalmüller, Kurt Schleim, Jeannine Trzaska, Peter Trzaska

1Nach der Ankunft muss erst mal das Material sortiert und im Rucksack untergebracht werden. Ganz schön viel Zeug!
Nach der Ankunft muss erst mal das Material sortiert und im Rucksack untergebracht werden. Ganz schön viel Zeug!

1Aufgesattelt und los geht’s zur Tré-la-Tête.
Aufgesattelt und los geht’s zur Tré-la-Tête.

Der erste Stützpunkt ist erreicht.
Der erste Stützpunkt ist erreicht.

Im Nieselregen brechen wir zur Conscrits Hüte auf.
Im Nieselregen brechen wir zur Conscrits Hüte auf.

Das Wetter will nicht besser werden, aber noch sind wir guten Mutes.
Das Wetter will nicht besser werden, aber noch sind wir guten Mutes.


Das Essen ist ja auch echt super auf den französischen Hütten.
Das Essen ist ja auch echt super auf den französischen Hütten.

Es schneit und schneit und schneit...
Es schneit und schneit und schneit...

Aufbruch gegen 5 Uhr in der Dunkelheit.
Aufbruch gegen 5 Uhr in der Dunkelheit.


Kurze Trinkpause mit schöner Aussicht auf die umliegenden Berge.
Kurze Trinkpause mit schöner Aussicht auf die umliegenden Berge.

Die Sonne kommt raus, trotzdem ist es noch recht frisch.
Die Sonne kommt raus, trotzdem ist es noch recht frisch.

Der erste Blick auf den Montblanc!
Der erste Blick auf den Montblanc!

Glücklich am Gipfel des Bérangère.
Glücklich am Gipfel des Bérangère.

Im frischen Schnee lässt es sich super gut absteigen.
Im frischen Schnee lässt es sich super gut absteigen.

Kleine Klettersteigpassage oberhalb des Gletschers.
Kleine Klettersteigpassage oberhalb des Gletschers.

So lässt es sich leben!
So lässt es sich leben!

Das Zeug kann doch nicht alles von uns sein...
Das Zeug kann doch nicht alles von uns sein...

Warten auf die Rechnung – wie die Hühner auf der Stange.
Warten auf die Rechnung – wie die Hühner auf der Stange.

Aufstieg zur Nid d’Aigle und erste Etappe zum Montblanc.
Aufstieg zur Nid d’Aigle und erste Etappe zum Montblanc.

Toller Blick auf die Nordwand der Aiguille de Bionnassay.
Toller Blick auf die Nordwand der Aiguille de Bionnassay.

Tagesziel erreicht. Viele Touristen nutzen die Zahnradbahn und genießen Gletscher, Bergdohlen und Steinböcke.
Tagesziel erreicht. Viele Touristen nutzen die Zahnradbahn und genießen Gletscher, Bergdohlen und Steinböcke.

Zum nahegelegenen Eisbruch braucht man nur 10 Minuten.
Zum nahegelegenen Eisbruch braucht man nur 10 Minuten.

Steinbock

Auf der zweiten Etappe schauen die Nadeln von Chamonix immer mal wieder durch die Wolkendecke.
Auf der zweiten Etappe schauen die Nadeln von Chamonix immer mal wieder durch die Wolkendecke.

Hier soll’s heute also hoch gehen bis zur Gôuter Hütte.
Hier soll’s heute also hoch gehen bis zur Gôuter Hütte.

Reiner übernimmt die zweite Seilschaft.
Reiner übernimmt die zweite Seilschaft.

Blick auf die Tête Rousse.
Blick auf die Tête Rousse.

Schließlich wird auch die Aiguille du Midi frei.
Schließlich wird auch die Aiguille du Midi frei.

Beim Gipfelanstieg war es bitterkalt und frostig bis sich die Sonne endlich blicken lässt.
Beim Gipfelanstieg war es bitterkalt und frostig bis sich die Sonne endlich blicken lässt.

Das Ziel vor Augen.
Das Ziel vor Augen.

Ganz oben – 4808 m.
Ganz oben – 4808 m.

Spannender Abstieg am Grat entlang mit faszinierendem Tiefblick.
Spannender Abstieg am Grat entlang mit faszinierendem Tiefblick.

Alle haben’s gepackt.
Alle haben’s gepackt.

Eine traumhafte Kulisse!
Eine traumhafte Kulisse!

Und noch mal der Blick zurück zum Gipfel.
Und noch mal der Blick zurück zum Gipfel.

Die Gôuter Hütte klammert sich förmlich an die Bergflanke.
Die Gôuter Hütte klammert sich förmlich an die Bergflanke.

Kleine Stärkung?
Kleine Stärkung?

Der lange Abstieg, 2600 hm gehen ordentlich auf die Knochen!
Der lange Abstieg, 2600 hm gehen ordentlich auf die Knochen!

Am letzten Tag schenken wir uns die Höhenmeter bis Chamonix und nehmen die Bahn.
Am letzten Tag schenken wir uns die Höhenmeter bis Chamonix und nehmen die Bahn.

Rustikales Bähnchen!
Rustikales Bähnchen!

Wir hatten Glück, denn am folgenden Tag hüllt sich der Montblanc in Wolken.
Wir hatten Glück, denn am folgenden Tag hüllt sich der Montblanc in Wolken.

Kleiner Stadtbummel durch Chamonix.
Kleiner Stadtbummel durch Chamonix.

Kleiner Stadtbummel durch Chamonix.
Kleiner Stadtbummel durch Chamonix.

Ja, genau dort oben...
Ja, genau dort oben...

Tolles Flair am Fuße des Montblanc.
Tolles Flair am Fuße des Montblanc.

Unheimlich frohe Gesichter am Ende der gelungenen Tour.
Unheimlich frohe Gesichter am Ende der gelungenen Tour.