Sektionsausfahrt "Über den Mainzer Höhenweg"
Leitung: Hans-Peter Kroepsch und Wolfgang Gurk
Teilnehmer: Kurt Blum, Manfred Liedtke, Wolfgang Möllendick, Bernhard Reul
Kühles Herbstwetter im Pitztal. Unser Treffpunkt ist der Parkplatz unter unserer Hütte. Von hier aus geht es weiter nach Mittelberg am Ende des Pitztales. Ein langer Aufstieg zur Braunschweiger Hütte, einer der schönsten und alpinsten Hüttenanstiegswege im Pitztal. Für uns unfassbar, dass man ernsthaft plant, durch diese urwüchsige Landschaft eine Abfahrtspiste anzulegen, damit die Skiläufer zukünftig vom Gletscherskigebiet am Mittelbergferner bis ins Tal abfahren können. Wie in der Presse nachzulesen ist, wird eine solche Anlage aus Sicherheitsgründen gefordert, auf Grund der Erkenntnisse aus der Kaprun-Katastrophe. Nur durch umfangreiche Spreng- und Planierarbeiten wird es überhaupt möglich sein, hier eine Piste hineinzulegen - aber welche Anforderungen müssen nach deren Fertigstellung an den Skiläufer gestellt werden (Fahrkönnen, Lawinengefahr)? Ab wann kann überhaupt mit einer ausreichenden Schneedecke bis ins Tal gerechnet werden, wenn man von einer künstlichen Beschneiung absieht? Diese Fragen gehen uns durch den Kopf, als wir die erste Steilstufe mit den herrlichen Wasserfällen durchsteigen. Die Sonne kommt für einige Momente hervor und taucht die niedrigen Weidenbüsche in leuchtendes Gelb.

Aufstieg zur Braunschweiger Hütte
Weiter oben öffnet sich der Blick auf die Zunge des Mittelbergferners, doch auch dieses Eis hat sich seit meinem letzten Besuch vor zwei Jahren erneut weiter nach oben zurückgezogen. Bei einer Rast genießen wir das Berg panorama und sind wenig später an der Braunschweiger Hütte.
Zu meiner Überraschung treffen wir hier auf vier Bergfreunde von der Sektion Chemnitz, darunter Falk Tröger und der Erste Vorsitzende Steffen Oehme, zu denen ich schon aus früheren Treffen in Chemnitz und auf der Hütte freundschaftliche Kontakte geknüpft hatte. Sie kommen bereits vom Taschachhaus, und haben etliche Eistouren im Rahmen einer Ausbildungswoche hinter sich und wollen ebenfalls am morgigen Tag über den Mainzer Höhenweg zur Rüsselsheimer Hütte.
Am nächsten Morgen ist es stark bewölkt, der Wirt meint, es sei kein rechtes Wetter für eine solche Tour, doch konnten wir ihn beruhigen, als wir ihm versprachen, die Tour bei widrigen Umständen auch abbrechen zu wollen. Erst um 8 Uhr verließen wir die Hütte und steigen bei grauem Wetter hinauf zum Pitztaler Jöchl - von hier kaum Sicht. Auch vom Pollesjoch aus sehen wir nur ins neblige Grau. Aus der Erinnerung heraus kann ich die Gipfel beschreiben, die es von hier aus zu sehen gäbe - vielleicht hilft die Fantasie. Im Auf und Ab folgen wir dem Routenverlauf, der uns über mehrere Dreitausender führt. Kurz reißt es einmal auf, dann können wir auf der gegenüberliegenden Talseite den Riffelsee erkennen, dort scheint im Moment sogar die Sonne. Dann hüllt uns wieder der Nebel ein. Nach vier Stunden taucht das Rheinland-Pfalz-Biwak auf dem 3252 m hohen Wassertalkogel kurz vor uns auf.

Im Pitztaler Jöchl am Mainzer Höhenweg

Zusammen mit den Chemnitzer Freunden am Rheinland-Pfalz-Biwak
Leichter Neuschnee. Rast in der Biwakschachtel, die weichen Decken halten uns warm. Nun kommt der zweite Abschnitt des Weges, der noch einige Kondition erfordert. Vom Wassertalkogel tief hinab im Firn, dann über loses Blockwerk um die östlichen Flanken des Sonnenkogels, was einige Sorgfalt beim Gehen erfordert, wieder hinauf seilversichert über einen Felsgrat, steil hinab zum südlichen Puitkogelferner, dann wieder eine Felsrippe, hinab zum östlichen Puitkogelferner, einem kleinen Gletscher mit noch einigen respektablen Spalten Vom "Frühstücksplatz" zuletzt die Querung und der Abstieg zum Weißmaurachjoch. Nun geht's nur noch abwärts zu unserer Hütte, wo wir bereits von Florian und Sabine, unserem Hüttenwirtspaar, erwartet werden. Ein langer Tourentag liegt hinter uns und macht uns erneut deutlich, dass der Mainzer Höhenweg eine anspruchsvolle Bergwanderung darstellt - besonders dann, wenn die Witterungsbedingungen nicht dem Ideal entsprechen. Herzlichen Dank an dieser Stelle im Namen der Rüsselsheimer Teilnehmer den Chemnitzer Bergfreunden für die Bergkameradschaft während dieser Tour.

Im Weißmaurachjoch
Am folgenden Tag soll es über den "Eisweg" zur Hohen Geige gehen, doch eine Erkrankung von Steffen Oehme führt dazu, dass die Chemnitzer absteigen müssen. Wir ziehen dann verspätet am Vormittag los, um doch noch ein wenig zu unternehmen. Über den Aussichtspunkt Gabinten geht es auf dem "Rüsselsheimer Weg" zum Kapuzinerjoch und von dort auf die Rötkarspitze (2.779 m). Ein schöner Regenbogen, der sich vom Tal bis über den gegenüberliegenden Sturpen zieht, bleibt uns allen besonders in Erinnerung. Ansonsten gibt es einige sonnige Momente und vom Gipfel aus schauen wir lange hinüber zum Rötkarferner, über den die herrliche Eisroute zur Hohen Geige hinaufzieht. Aber diese Tour bleibt uns für die nächste Sektionsausfahrt erhalten.
Wolfgang Gurk

Eisweg zur Hohen Geige
