Seniorenbergsteiger aktiv:
Auf Bergwanderung durch das Karwendelgebirge
Als sich die acht Alpinisten im Alter zwischen 62 und 72 Jahren unter der Leitung von Bergwanderführer Wolfgang Gurk mit der Bahn dem Ausgangspunkt der sechstägigen Bergtour näherten, regnete es noch in Strömen.
Am Bahnhof in Hochzirl
Doch wenig später, als die Gruppe in Hochzirl den Aufstieg in die Bergwelt des Karwendels startete, schien die Sonne - und so sollte es für die folgenden Tourentage bleiben. Ein schmaler Bergweg führt direkt vom Hochzirler Bahnsteig anfangs fast eben in einen schönen Hochwald, später ging es durch frühlingsbunte Almwiesen hinauf zur ersten gastlichen Alpenvereinsunterkunft, der Neuen Magdeburger Hütte, die in lieblicher Umgebung etwas unterhalb der Waldgrenze gelegen ist.
Hier wurde Quartier für die ersten beiden Nächtigungen bezogen. Als Eingewöhnungstour galt es am folgenden Tag, den 2541 m hohen Großen Solstein zu besteigen. Bereits der Aufstieg über den anspruchsvollen "Höttinger Schützensteig" war einer der Höhepunkte: über weite Firnfelder erreichte die Gruppe den noch winterlich anmutenden Gipfel, von dem aus die weite Rundsicht auf Zugspitzmassiv, Lechtaler Alpen, den Alpenhauptkamm und der Tiefblick ins Inntal lange genossen wurde.

Auf dem Großen Solstein

Auf leichtem Weg stieg man hinunter zum Solsteinhaus, wo die durstigen Kehlen mit kühlen Getränken und der Magen mit frisch gebackenem Kuchen verwöhnt wurden. Nun ging es zurück über den "Zirler Schützensteig", einem alpinen Steig, der noch so manche Überraschung mit Seilversicherungen und Leitern bot, zurück zum Ausgangspunkt. Nach dieser von den Teilnehmern ausgezeichnet bestandenen Testtour gings am folgenden Tag über abwechslungsreiche Bergwege, immer mit weiter Aussicht, zum Rauschbrunnen und fast eben zur Hungerburg oberhalb von Innsbruck. Von hier aus gönnte man sich - statt des schweißtreibenden Aufstiegs in der Nachmittagshitze durch die Latschenfelder des Südhangs - den Aufstieg mit der Kabinenseilbahn zum Hotel Seegrube, dem Tagesziel. Besonders in Erinnerung bleibt der nächtliche Tiefblick auf die fast 1500 m tiefer liegende hell erleuchtete Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck.

Abmarsch an der Neuen Magdeburger Hütte

Tiefblick auf Innsbruck
Tags darauf kam die alpinste der Etappen. Anfangs auf dem Goetheweg genussvoll und leicht hoch über dem Inntal wandernd, ging es bei der Mühltalscharte von der Süd- auf die Nordseite der Gebirgskette, in der noch zahlreiche Altschneefelder zu überqueren waren.

Querung am Geländerseil auf dem Goetheweg
Abstieg am Fixseil vom Stempeljoch
Die vorhandenen Fixseile lagen fast sämtlich noch tief unter dem Schnee begraben, so kam das mitgenommene Seil an diesem Tage noch oft zum Einsatz. Ein steiler Abstieg vom 2215 m hohen Stempeljoch wurde ebenfalls mit Hilfe der Seilsicherung von allen Teilnehmern bravourös gemeistert. Eine gute Portion Mut war notwendig, um am gelegten Fixseil mittels Prusikknoten gesichert, sich über den steilen Firnhang herunter zu lassen.
Am Abend - nachdem man einschließlich der Pausen - gut elf Stunden unterwegs war, genoss die Gruppe die grüne Tallage des Hallerangerhauses, inmitten eines schönen Zirbenwaldes.

Alpenrosen unter dem Großen Lafatscher
Die letzten zwei Tage verliefen erholsamer. Man bummelte rucksackfrei durch blumenübersähte Bergwiesen hinauf zum Überschalljoch, genoss die senkrechten Kalkwände des Lafatschers und der Speckkarspitze und bezog nach kurzem und genussreichen Übergang Quartier auf der ausgezeichnet bewirtschafteten kleinen Bettelwurfhütte, wieder wie ein Adlerhorst hoch über dem Inntal gelegen.

Abschied von der Bettelwurfhütte
Am letzten Tag hieß es Abschied nehmen. In der morgendlichen Kühle stieg man hinunter ins Inntal, vorbei an manchem Zeugen des früheren Silber- und Salzbergbaus. In Hall in Tirol bestieg man den Zug zur bequemen und stressfreien Heimfahrt.
Wolfgang Gurk
