Große Kaisergebirge Rundtour - (oder 7 kleine Wanderer)
Abfahrt für unsere Tour war wie schon so oft um 5:00 Uhr morgens am Treffpunkt Theater. Mit dabei waren: Franz, Sonja, Gerado, meine Frau Lydia und ich. Angelika und Manfred hatten leider kurzfristig abgesagt. Der Himmel leicht bewölkt kamen wir in Kufstein an. Nachdem wir uns einen Parkplatz gefunden hatten, ging es auch schon Richtung Vorderkaiserfeldenhütte. Nach kurzem Aufstieg saßen wir in der gemütlichen, warmen Hütte und beratschlagten, was wir an diesem Tag noch unternehmen könnten. Nach kurzer Zeit stand fest, dass Franz, Gerado und ich noch einen Abstecher auf den Hüttenhausberg, die Naunspitze machen werden. Also Schuhe und Regenjacke an, und schon ging es los.
Wir waren etwa 100 Hm aufgestiegen, als sich der Himmel verdunkelte und seine Schleusen öffnete. Wir stellten uns unter einen Baum und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Keine 5 Minuten später ließ der Regen nach, und wir konnten unseren ersten Gigfelsturm im Kaisergebirge fortsetzen. Nach dem Abstieg zur Hütte erwartete und eine kleine Überraschung. Angelika und Manfred erwarteten uns in der warmen Stube und sollten uns doch zwei Tage auf dieser Tour begleiten. Wir aßen zusammen zu Abend. Die Verpflegung war wie auch in allen anderen Hütten, die wir besuchten, hervorragend. Da es sich bei uns eingebürgert hat, am Abend Karten zu spielen, zeigten wir unseren Bergfreunden, dass von uns mitgebrachte Spiel. Auch auf dieser Tour wurde dieses Spiel mit Begeisterung angenommen, und wir spielten es jeden Abend.
Der nächste Morgen führte uns von der Vorderkaiserfeldenhütte zum Stripsenjochhaus, kurz Stripse genannt. Ich wählte den Weg über das Petersköpfl, den Einserkogel und den Zwölferkogel zur Pyramidenspitze. Dort angekommen, machten wir eine ausgiebige Rast, um anschließend über die Ochselmeid zur Kaiserquelle abzusteigen. Von dort führte der Weg weiter auf dem Zahmen Kaiser-Höhenweg bis zur Hochalm, wo wir uns zünftig bei einem Radler erholten. Von da an ging es noch einmal zum Feldalmsattel hinauf, und hier sahen wir auch schon die ersten Gipfel des Wilden Kaiser. Das Stripse steht vor eine gigantischen Felskulisse, die ihresgleichen sucht. Am Stripse angekommen war erst einmal Zeit für ein gutes Stück Kuchen, den hatten wir uns nach so einer recht langen und erlebnisreichen Tour redlich verdient.
Ab dem nächsten Morgen hatten wir dann den Rest der Woche das Wetter, das ich für uns erhofft hatte: strahlenden Sonnenschein. Der nächst Tag führte uns vom Stripse über das Kaisertalhaus, Hinter Bärenbad und dem Bettlersteig zur Kaindlhütte. Die Kaindlhütte ist leider keine DAV-Hütte, aber der Service und das Essen sind kaum zu übertreffen. Hier möchte ich auf jeden Fall noch mal hin. Am nächsten Morgen wieder strahlender Sonnenschein. Mir frischem Brötchenduft geweckt, freute ich mich schon auf das Frühstück. Der Weg sollte heute über den Wilden-Kaiser-Steig und dem Gruttenweg zur Gaudeamushüte führen. Leider hatte Manfred starke Rückenbeschwerden, sodass er und Angelika uns auf der Walleralm verlassen mussten. So setzten wir zu fünft frohen Mutes unseren Weg fort. Auf der linken Seite die Gipfel des Wilden Kaisers und rechts die tollsten Ausblicke ins Tal und alles bei schönstem Wetter, Herz was willst du mehr.
Auf der Gaudeamushütte angekommen, bestellten wir uns erst einmal einen Kaiserschmarrn, der uns hervorragend mundete. Dermaßen gestärkt konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen? Leider stellten sich bei Sonja Kniebeschwerden ein. Gott sei Dank erklärte sich der Hüttenwirt bereit, sie am nächsten Morgen mit ins Tal zu nehmen. Am nächsten Morgen brachen wir recht früh auf, wollten wir doch an diesem Tag das erstemal den Wilden Kaiser über ein Törl durchqueren. So führte uns der Aufstieg diesmal über den Gildensteig zum Kleinen Törl, von dort zur Fritz-Pflaum-Hütte und im Abstieg mit anschließendem Gegenanstieg wieder zum Stripse. Diese Törl Überschreitung war, wenn man von dem Zustieg zum Gildensteig absieht, alpin und hat uns sehr viel Freude bereitet. Als wir am Stripse ankamen, wartete Sonja schon auf uns. Sie war um das Kaisergebirge herum gefahren, um anschließend zum Stripse wieder aufzusteigen. Zur Belohnung gönnten wir uns erst mal ein großes Stück Kuchen. Nach diesem Tag war das genau der richtige Energieausgleich. Nach dem Abendessen und einer erfrischenden Dusche war wie jeden Abend „Dalmuti“-Zeit (Kartenspiel). Auch an diesem Abend waren wir bester Laune.
Am nächsten Morgen musste leider auch Lydia die Segel streichen. Sie hat sich mit Sonja auf den Nachhauseweg gemacht, während Franz, Gerado und ich zur Gruttenhütte aufbrachen. Dieser Weg führte uns über die Steinerne Rinne quer durch das Kaisergebirge. Als wir das Elmauer Tor erreicht hatten, verstauten wir unsere Rucksäcke und marschierten auf die Hintere Goinger Halt. Leider war die Gipfelschau nicht allzu prächtig, da der Gipfel in einem Wolkenkleid lag. Trotz alledem haben wir den Aufstieg und die Aussicht, die uns blieb, in vollen Zügen genossen. Nach dem Abstieg vom Gipfel und einer schönen Schuttabfahrt führte uns der Weg über den Jubiläumssteig zur Gruttenhütte. Dort angekommen, ließen wir uns auf der Terrasse nieder und genossen bei einem Stück Kuchen die letzten Sonnenstrahlen. Die vergangenen Tage sind im nu verflogen.
Am letzten Tag sollte aber noch mal ein kleines Highlight gesetzt werden, der Weg von der Gruttenhütte über den Kopftötlgrat in das Kaisertal. Dieser Weg hat uns Dreien auf der gesamten Tour am meisten Spaß gemacht. Er wird uns wohl ewig in Erinnerung bleiben. Leider waren beim Abstieg die Sicherungsseile stellenweise durch Blitzschlag zerstört, dies erforderte unsere volle Konzentration. Im Kaisertal angekommen ging es dann zum großen Teil durch Wälder und über Almwiesen zurück zu unserem Auto. Eine für uns unvergessliche Wanderwoche neigte sich dem Ende zu.
Rainer Beer
