Gipfeltouren auf der Reiteralm
Meine erste Tour führte uns in meine zweite Heimat, auf die „Neue Traunsteiner Hütte“ auf der Reiteralpe im Berchtesgadener Land. Mit dabei waren Hubert, Sonja, Uschi, Gerd, Andreas, Karl-Heinz, Peter, Ulrich und als Überraschungsgast Lothar sowie Lydia. Die Tour startete am 19. Juni um 5:00 Uhr morgens an unserem Treffpunkt am Theater. Frohgelaunt fuhren wir in den vorher eingeteilten Fahrgemeinschaften nach Berchtesgaden. In Berchtesgaden am Parkplatz Schwarzbachwacht angekommen, ging es mit schwerem Gepäck in Richtung Reiteralpe. Leider nieselte es zu diesem Zeitpunkt, sodass der Aufstieg am Anfang etwas feucht wurde.
Als wir schließlich auf der Reiteralpe ankamen, hatte es aufgehört zu regnen. Nach einer kleinen Erfrischung wurden auch sogleich die Zimmer bezogen und wir richteten uns für die nächsten fünf Tage ein. Nach dem sehr guten Abendessen weihten wir unsere Mitwanderer in ein interessantes Kartenspiel ein. Dieses Spiel hat den großen Vorteil, dass man es auch mit mehreren Personen spielen kann und somit alle, die wollten, an unserem Spiel teilnehmen konnten. Am nächsten Morgen nach einem reichhaltigen Frühstück wurden von uns zunächst der Große Weitschartenkopf und anschließend die drei Brüder bestiegen. Beide Gipfel waren einfach von der Neuen Traunsteiner Hütte zu besteigen und sind knapp 2000 Meter hoch. Leider spielte das Wetter an diesem Tag nicht so mit, wie ich es mir gewünscht hätte: Es war sehr windig und kühl. Der Himmel war stark bewölkt, sodass wir keine gute Fernsicht hatten. Von diesen Gipfeln konnte man wunderbar die gesamte Reiteralpe überblicken, und ich erklärte meinen Mitwanderern die geplante Tour für den nächsten Tag. Nach dem Abendessen wurden dann auch gleich die Spielkarten ausgepackt, und da jeder das Spiel inzwischen kannte, war dies eine Riesengaudi für uns alle.
Der nächste Morgen brachte uns zunächst kein besseres Wetter, aber ein kleines Schmankerl erwartete uns am ersten Gipfel unseres Weges (Edelweißlahner Kopf). Dort wird jedes Jahr an Fronleichnam eine Bergmesse gefeiert. Leider war es auf dem Gipfel recht ungemütlich, aber letztendlich nahmen wir an der Bergmesse teil. Eine Bergmesse hat für mich immer wieder etwas Ergreifendes, draußen in der freien Natur ist das schon ein Erlebnis. Leider stiegen nach der Bergmesse Uschi, Andreas und Karl-Heinz zur Hütte ab. Der Rest macht sich auf den Weg um den gesamten südlichen Gipfelkamm der Reiteralpe zu übersteigen. Bei einer Rast kamen dann auch schon die ersten Sonnenstrahlen hervor und wärmten unsere kalten Glieder. So saßen wir auf einer Wiese und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen, unter uns der Hintersee und genau gegenüber der Hochkalter mit der Blaueishütte. Die Tour führte uns weitestgehend weglos über folgende Gipfel: Schottmalhorn (2.045 m), Hohes Gerstfeld (2.037 m), Prünzkopf (2.081 m), Reiter Steinberge (2.060 m). Von dort ging es wieder hinab in Richtung Neue Traunsteiner Hütte, zunächst durch Felsen und im weiterem Verlauf durch Wiesen und kleine Wälder. Auch an diesem Abend durfte unser Kartenspiel nicht fehlen. Ein absolutes Highlight waren sicher die Bergfeuer, die an diesem Abend entzündet wurden. Wir saßen draußen am Feuer, schauten den Flammen zu und genossen die tolle Atmosphäre auf der Reiteralm. Ringsum auf den Gipfeln sahen wir noch weitere Bergfeuer brennen.
Der letzte Wandertag sollte uns zum Wagendrischelhorn bringen. Dieser grandiose Aussichtsgipfel ist ein wahrer Genuss für Auge und Geist. Zunächst folgten wir dem Abstiegsweg vom Vortag. Er brachte uns auf die Hochebene unterhalb des Plattelkopfes. Diesen mussten wir übersteigen und gelangten so an den Wandfuß des Wagendrischelhorns. Nach dem wir den Wandfuß umgangen hatten und ein Schneefeld überquerten, war der weitere Anstieg kein Problem mehr. Der grandiose Ausblick auf die Zentralalpen und den Wilden Kaiser entschädigte uns für die Aufstiegsmühen. Die Gipfelrast war die Krönung unseres Wanderausfluges. Auch die Bergdohlen hatten ihre Freude. Stahlen sie doch Gerd eine ganze Scheibe Käse aus der Brotdose. Unser Abstieg führte uns durch die Rossgasse zurück zur Neuen Traunsteiner Hütte. Am Abend wurde obligatorisch das Kartenspiel ausgepackt und kräftig Karten gespielt. Wir hatten wie an den Abenden zuvor wieder einen Riesenspaß. Am nächsten Morgen erfolgte der Abstieg und die Heimreise nach Rüsselsheim. Eine geniale Wandertour mit frohgelaunten Wanderern fand ihren Abschluss.
Rainer Beer
