Dolce Vita am Gardasee (2004)
Vom 10. bis 18. Juli letzten Jahres waren meine Frau Lydia und ich mit einer zehnköpfigen Gruppe in den Gardaseebergen unterwegs. Mit dabei waren Franz Nagel, Ursula Kretschmann, Juliane Codaro, Uschi und Gerd Klaus, Karl-Heinz Arras, Barbara Vollmar, Hildegard Kopp, Gudrun Streck und Luise Weiser. Nach etlichen Abenden der Vorbereitung mit dem Studieren von Wanderführern, Landkarten und unter Zuhilfenahme des Internets hatte ich für unsere Gruppe ein interessantes Wanderprogramm für die neun Tage zusammen gestellt. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, denn an unserem ersten Wandertag standen wir mit unseren Rucksäcken vor dem Hotel und schauten erst mal etwas trübsinnig in den Himmel. Dieser war wolkenverhangen und in den Bergen ringsum blitzte es, als wollte uns der liebe Gott mitteilen, heute doch lieber im Hotel zu bleiben. So habe ich kurzentschlossen umdisponiert und den ersten Wandertag verbrachten wir im Süden des Gardasees. Dort führte uns die Tour von Torri del Beanco über Fonare nach Crero und zurück über Coi. Unser erstes Ziel war eine kleine Kapelle in San Siro.

Auf dem Rückweg suchten wir noch vorgeschichtliche Felszeichnungen, die wir nach einigem hin und her auch tatsächlich gefunden hatten. So verbrachten wir unseren ersten Wandertag am Gardasee bei strahlendem Sonnenschein und in bester Laune. Nach dem Abendessen in Arco gab es erst mal ein Eis für uns, das hatten wir uns redlich verdient. Anschließend wurde noch die Altstadt von Arco besichtigt. So konnte es von mir aus weiter gehen. Am nächsten Tag zeigte sich der Himmel schon etwas freundlicher, denn jeden Morgen ging mein erster Blick zum Himmel, das Wetter war zwar nicht perfekt aber für unsere Tour durchaus akzeptabel. So fuhren wir mit unseren Autos nach Santa Barbara, um von dort aus den Monte Stivo zu besteigen.

Zunächst ging es über eine schmale Straße bergauf, über saftige Almwiesen durch einen kleinen Wald, um anschließend über einen Steig zum eigentlichen Gipfelaufstieg zu gelangen. Der Himmel war zwar bewölkt, aber immer wieder lachte uns die Sonne zu. Doch je näher wir uns dem Refugio und dem Gipfel näherten, umso dichter wurden die Wolken. Leider wurden wir auf dem Gipfel nicht mit einer tollen Aussicht belohnt, denn die Wolken waren so dicht, dass ein Blick ins Tal und in die umliegende Bergwelt kaum möglich war. So zogen wir es vor, im Refugio Marchetti eine Kleinigkeit zu trinken und zu essen. Wir saßen kaum am Tisch und hatten etwas bestellt, als sich der Himmel verdunkelte und ein Hagelschauer nieder ging. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, mit der Gruppe auf der Hütte zu übernachten. Der Himmel ringsum war schwarz und ich sah zu diesem Zeitpunk keine Möglichkeit, sicher abzusteigen. Aber nach dem Essen wurde es zunehmend heller und wir konnten uns doch an den Abstieg machen. Auf dem Rückweg kam sogar hier und da die Sonne durch. Im Hotel angekommen, war es dann schon wieder so warm, dass der eine oder andere sich sogleich in den Swimmingpool stürzte.
Als wir am nächsten Morgen vor unserem Hotel zur Abfahrt bereitstanden, gestärkt durch ein gutes Frühstück, lachte uns die Sonne entgegen. Kein Wölkchen am Himmel - herrlich, so konnte es weiter gehen. Für diesen Tag war eine Wanderung zu einer Einsiedelei geplant. Unsere Tour startete direkt am Gardasee. Aus dem Ort Cassone machten wir uns auf den Weg in Richtung Malga Fabio, wir genossen die herrlichen Blicke auf den Gardasee und die umliegenden Berge. Der Weg war sehr abwechslungsreich, und so verging die Zeit wie im Fluge. Auf der Malga Fabio angekommen, machten wir erst mal eine ausgiebige Rast und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Anschließend führte uns der Weg weiter zur Einsiedelei SS. Benigno e Caro. Dort fanden wir noch Bunkerspuren aus dem Ersten Weltkrieg. Der Abstieg auf einem alten Eselsweg war recht steil, führte uns aber schnurstracks in Richtung Gardasee zurück. Auf dem Rückweg wurden wir noch kurz geduscht, eine sehr angenehme Erfrischung. Viel zu schnell standen wir wieder bei unseren Autos.

Der fünfte Tag sollte der Erholung dienen, denn nur wer fit ist, kann auch die Berge genießen. So fuhren wir mit dem Bus nach Riva, um mit dem Schiff die Orte Limone und Malcesine zu besichtigen. Es war ein wunderbarer Tag und die beiden Orte sind einen Besuch allemal wert. Nach dieser Erholung konnten wir am nächsten Tag unsere anstrengenste Wanderung in Angriff nehmen. Unser Ziel war der Monte Misone, der Aussichtsklassiker in den Gardaseebergen. Wir starteten in Ville del Monte. Direkt oberhalb von diesem Ort liegt das verträumte Künstlerdorf Canale, eine Augenweide, die durch ihre wunderschönen alten Mauern und ihren engen Gassen zum Verweilen einlädt. Während des Aufstiegs konnten wir wieder einmal feststellen, dass Wanderführer und Landkarte nicht übereinstimmten. Dieses Problem konnte allerdings leicht mit einem Kompass gelöst werden. 1300 Höhenmeter wurden von uns an diesem sehr warmen Tag im Auf- und Abstieg bewältigt. Kein Wunder, dass alle froh waren, als wir auf dem Gipfel eine wunderbare Rast mit herrlichem Panoramablick einlegen konnten. Der Abstieg gestaltete sich problemlos, und die Rast in einer Berghütte mit tollem Panoramablick auf Arco sorgte für die nötige Erfrischung und Erholung.
Der nächste Tag zeigte sich zunächst von seiner schönsten Seite, die Sonne schien und der Wetterbericht vom Vortag bestätigte dies. So fuhren wir mit dem Auto nach Malcesine um mit der ersten Seilbahn auf den Monte-Baldo-Kamm zu fahren. Oben angekommen, hieß es erst mal Schluss mit lustig, denn der Berg war in dicke Wolken eingehüllt, von toller Aussicht keine Spur. Wir wanderten in diesen Wolken den Bergrücken entlang, um nach einem kurzen Abstieg ein Stück der Straße zu folgen. Schließlich wurde in einen Bergpfad eingebogen, der uns im steten Aufstieg zum Gipfel führte. Leider wurde das Wetter nicht nennenswert besser. Zwischendurch lugte zwar hier und da die Sonne durch, aber so richtig gut wurde es nicht. Nach einer ausgiebigen Gipfelrast und einer Erfrischung in dem nahegelegenem Refugio machten wir uns wieder auf den Rückweg.
Der letzte Tag war angebrochen. Für diesen Tag hatte ich mir etwas besonderes ausgedacht. Die Tour sollte einem Teilstück des Trentiner Friedensweges folgen. In der Tat war dieser Tag der krönende Abschluss unserer Gardaseewoche. Von der Malga Pronzo wurde zunächst das Refugio Pernici erwandert. Dort wurde eine kleine Rast eingelegt, um anschließend den Torfino zu besteigen. Nach wenigen Minuten hatten wir einen kleinen Vorgipfel erreicht, und wir konnten das Refugio Pernici aus der Vogelperspektive bewundern. Der Weg zum Torfino erwies sich als sehr interessant und abwechslungsreich. Auch an diesem Tag war uns der Wettergott nicht so hold wie ich es mir gewünscht hätte, denn die Gipfelschau wurde uns leider durch Wolken verwehrt. Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass wir alle eine wunderbare Woche am Gardasee verbringen durften. Das Gebiet um den See hat noch etliche Touren für Wanderer auf Lager. Aber nicht nur Wanderer kommen auf ihre Kosten, denn am Gardasee gibt es hervorragende Kletterfelsen und jede Menge Klettersteige in jedem Schwierigkeitsgrad. Bleibt von meiner Seite zu hoffen, dass der Bericht ein klein wenig Spaß gemacht hat. Ich wünsche allen Lesern ein gesundes Bergjahr 2005 mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen.
Berg Heil Rainer Beer
