Home » Sektion » Berichte

Fachübungsleiter-Fortbildung auf dem Gepatschhaus


Für das Jahr 2001 stand, wie alle 2 bis 3 Jahre, eine Fachübungsleiter-Pflicht-fortbildung auf dem Programm. Fortbildungen sind zum Erhalt des Fachübungsleiterscheines vorgeschrieben und garantieren allen Sektionsmitgliedern einen aktuellen Wissenstand ihrer Fachübungsleiter. Wolfgang Gurk und ich wollten gerne wieder mal zusammen eine Fortbildung besuchen. Über das Ausbil-dungsthema und den Termin waren wir uns schnell einig und meldeten uns für den Kurs "Methodik und Technik Eisgehen, Eisklettern und Spaltenbergung" auf dem Gepatschhaus in den Ötztaler Alpen an.



Herrlicher Zustieg zum Ausbildungsplatz auf dem Gepatschferner
(Foto: W. Gurk)

Nun war es endlich soweit. Schon am frühen Nachmittag waren wir am Ge-patschhaus angekommen. Ein besonderer Vorteil der Hütte besteht darin, dass der Aufstieg sich auf wenige Höhenmeter vom Parkplatz bis zur Hütte beschränkt (3 Min. Gehzeit). Bis zum Kursbeginn verkürzten wir uns die Zeit mit einer kleinen Wanderung in der nahen Hüttenumgebung. Pünktlich um 18.00 Uhr erschienen unsere Ausbilder Oliver und Helmut zum Abendessen. Danach trafen sich alle Teilnehmer und die Bergführer zur Kursbesprechung. Nach der Kennenlernrunde wurde über unsere Wünsche für das Kursprogramm gesprochen. Dabei stellte sich schnell heraus, dass der Schwerpunkt bei fast allen Teilnehmern beim Eisklettern und der Spaltenbergung lag, so dass diese beiden Themen in den kommenden zwei Tagen geübt werden sollten.




Eisklettern
(Foto: H.-P. Kroepsch)

Am Samstagmorgen stiegen wir bei herrlichem Wetter zum Gepatschferner auf, wo wir schnell ein geeignetes Übungsgebiet im Gletscherbruch fanden. Unsere Ausbilder unterrichteten uns an diesem Tag in den verschiedenen Techniken des Eiskletterns, wobei die Praxis im Vordergrund stand. Das heißt, wir mussten selbst ran. Zuerst wurde die Frontalzackentechnik mit den Steigeisen ohne Eisgeräte geübt, um ein besseres Gefühl zum Element Eis aufzubauen. Danach wurden die Handschlaufen der Eisgeräte angepasst, um ein verhängnisvolles Herausrutschen während des Kletterns zu verhindern - schließlich muss man sich mit ganzem Gewicht an die Eisgeräte hängen können. Im Gletscherbruch hatten wir genügend Übungswände, um uns mit den Eisgeräten vertraut zu machen. Dabei wurde auf die Schlagtechnik und insbesondere auf das Lösen der Eisgeräte geachtet, denn es bringt keinen Vorteil, die Eisgeräte bis zum Anschlag in das Eis zu dreschen, man schafft sich damit nur Probleme beim Lösen der Geräte. Das Setzen und Lösen von Sicherungen mit Eisschrauben aus der Kletterbewegung heraus wurde ebenfalls ausgiebig geübt. Dabei stellte sich sehr schnell heraus, was gute und schlechte Eisschrauben sind. Schlechte Eisschrauben haben keinen Biss und sind deswegen nur mühsam ins Eis zu drehen.




Toprope-Klettern
(Foto: H.-P. Kroepsch)

Die Ausbilder richteten anschließend einige Toprope-Stellen mit verschieden Neigungen ein, wo wir uns in den verschieden Eisklettertechniken, wie zum Beispiel der Parallel- und der Dreieckstechnik mit zwei Schaftzugpickeln ausgiebig austoben konnten. Es gab auch die Möglichkeit an einer schon mit Eisschrauben abgesicherten Toprope-Route den Vorstieg auszuprobieren. Eine letzte Übung an diesem Tag war das Einrichten einer selbstausdrehenden Eisschraube zum Abseilen im Eis. Nachdem man abgeseilt hat, muss man nur am richtigen Seilende ein paar Meter ziehen und schon kommt die Eisschraube geflogen. Ein toller Tipp!. Nachdem die Ausrüstung in den Rucksäcken verstaut war, stiegen wir den Gepatschferner hinunter vorbei an einem sehr beeindruckenden Gletschertor samt Bach. Nach gut einer Stunde Abstieg waren wir wieder am Gepatschhaus angekommen und genossen die warme Sonne und ein Radler auf der Terrasse. Am Abend stand noch Theorie über Materialkunde beim Eisklettern auf dem Programm.



Spaltenbergung "Lose Rolle"
(Foto: H.-P. Kroepsch)

Am nächsten Morgen, nach einem sehr guten Frühstück, ging es wieder in Richtung Gepatschferner. Bald hatten wir einige schöne Gletscherspalten zum Üben der Spaltenbergung gefunden. In zwei Gruppen übten wir zwei verschiedene Techniken der Spaltenbergung. Zuerst wurden wir einige Meter in eine Gletscherspalte abgelassen, um die Selbstrettung mit der Selbstseilrolle zu üben. Mit dieser Technik kann der Gestürzte selbstständig aus der Spalte aussteigen. Für die Bergung des Gestürzten durch die Seilschaftskameraden wurde die Lose Rolle bis zur Perfektion geübt. Jeder musste den Ablauf der verschiedenen Positionen in der Seilschaft durchlaufen. Als besonders schwierig stellte sich das Halten und Fixieren von einem Spaltensturz auf dem blanken Gletscher heraus. Das Ergebnis unserer Übung war, dass eine gut trainierte Seilschaft, wie wir es waren, eine komplette Spaltenbergung mit der Losen Rolle in ca. 10 Min. durchgeführt hat. Am frühen Nachmittag traf sich die Gruppe mit den Ausbildern zu einer Abschlussbesprechung auf der Hüttenterrasse. Nach einigen Apfelsaftschorlen und einem Kaiserschmarren ging es wieder Richtung Norden nach Raunheim.
Es war wieder einmal eine gelungene Fortbildung mit vielen neuen Tips und Tricks, die das Übungsleiterdasein in der Sektion sicherlich bereichern werden.
Hans-Peter Kroepsch