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Rückblick auf 50 Jahre Vortragswesen

Lichtbildervorträge und Filmabende sind seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Lebens in den Alpenvereinssektionen. Im Rahmen dieser Veranstaltungen war es möglich, Mitgliedern - aber auch anderen Teilen der Bevölkerung - die Schönheit der Bergwelt mit ihrer Vielfalt an Landschaftsformen, Blumen, Tieren und Menschen näher zu bringen. Hinzu kamen Berichte über Reisen in ferne Länder. Es war daher kein Wunder, dass die gerade erst neu gegründete Sektion Rüsselsheim des Deutschen Alpenvereins schon im Gründungsjahr 1953 mit vier Lichtbildervorträgen an die Öffentlichkeit trat. Der erste Vortrag fand am 7. März 1953 in der Turnhalle des damaligen Realgymnasiums (Schulstraße) statt. Referent war Georg Blitz aus Darmstadt. Thema: Winter- und Sommerfahrten in Tirol, Eintritt: 0,50 DM, Besucher: ca. 300!

Dieser Vortrag war der Einstieg unserer Sektion in das öffentliche Kulturleben der Stadt Rüsselsheim. Parallel zu den öffentlichen Vortragsabenden, entwickelte sich eine sektionsinterne Vortragstätigkeit. In den monatlich stattfindenden Sektionsabenden wurden vorwiegend von Mitgliedern Diaserien und Filme von eigenen Unternehmungen, aber auch von Ereignissen aus dem Sektionsleben gezeigt. Hiervon soll jedoch in diesem Rückblick nicht die Rede sein.

Veranstaltet wurden die Vortragsabende, im Sprachgebrauch der Sektion Großveranstaltungen genannt, zunächst in eigener Verantwortung. In den darauffolgenden Jahren entstand eine erfolgreiche Kooperation mit der Adam Opel AG (Opelvorträge) und später der vhs Rüsselsheim im Rahmen der Dienstagvorträge. In diesen beiden Vortragsreihen brachte unsere Sektion Vorträge mit alpinen Themen ein. Der letzte Dienstagvortrag fand im April 1975 statt. Von da an liefen solche Veranstaltungen wieder unter unserer eigenen Regie. Die Vortragsabende fanden bei den Mitgliedern und der Bevölkerung von Anfang an ein großes Interesse. Es war die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. Man konnte wieder an eigene Reisen denken, und es gab noch kaum Fernsehgeräte in den Familien. Somit war ein Lichtbildervortrag in dieser Zeit ein besonderes Ereignis.


Vortragseinladung

Unsere ersten drei Vorträge fanden in der oben schon erwähnten Turnhalle und in der Aula der Parkschule statt. Besucherzahlen zwischen 250 bis 300 und mehr waren an der Tagesordnung. Schon der vierte Vortragsabend im November 1953 musste in den großen Saal der Stadthalle verlegt werden, da die bis dahin genutzten Räume nicht mehr ausreichten. Die gute Resonanz bei den Besuchern beruhte neben den vorgenannten Gründen vor allem auf der Qualität der Referenten und ihren Vorträgen. Immer wieder gelang es den Vortragswarten der Sektion namhafte Leute zu gewinnen. Stellvertretend für viele hier einige Namen: Martin Schließler, Ernst Adam, Walter Frentz, Kurt Diemberger, Erich Vanis, Markus Schmuck, Hannes Gasser, Toni Hiebeler, Kurt Scholz-Göritz und Hermann Buhl. Es würde zu weit führen, an dieser Stelle detailliert auf einzelne Vortragsthemen einzugehen. Es waren überwiegend Vorträge über die verschiedenen Gebiete unserer Alpen, wobei es absolute Publikumsrenner gab wie z.B. Dolomiten, Allgäuer Alpen, Berchtesgadener Alpen oder Wallis (Matterhorn). Dies hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.

Beliebt waren auch Expeditionsvorträge über Unternehmungen im Himalaja, Karakorum und den Anden. Spezielle Themen wie Bergrettung (Gramminger), Bergblumen und Bergtiere rundeten das Bild ab. In diesem Zusammenhang ist noch zu berichten, dass im Jahr 1955 an Rüsselsheimer Schulen zwei Vorträge stattfanden, an denen ca. 1000! Schüler teilnahmen. Leider sind Referent und Thema in den Unterlagen nicht vermerkt.

Der Zuschauerboom dauerte bis gegen Ende der 50er Jahre. Schon auf unserer Hauptversammlung im Februar 1958 berichtete der damalige Vortragswart Karl Schwarz von einem spürbaren Rückgang der Zuschauerzahlen. Er begründete dieses mit einem Überangebot an
Vorträgen, vor allem aber mit der rapiden Zunahme der Fernsehgeräte in den Haushalten.

Noch einmal gelang es, den großen Stadthallensaal mit ca. 400 Zuschauern zu füllen. Es war am Abend des 23. Februar 1978, als kein geringerer wie Martin Schließler anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Sektion Rüsselsheim seinen Vortrag "Das Abenteuer im Erlebnis der Berge" hielt.

Neben den schon genannten Räumlichkeiten waren wir im Laufe der Jahre mehrmals gezwungen, die Vortragssäle zu wechseln. Nach dem Stadthallensaal waren die Aula des Max-Planck-Gymnasiums, Stadthallen-Rundfoyer und die Aula des Kant-Gymnasiums (infolge Stadthallenumbau) Veranstaltungsorte. Heute sind wir wieder in der umgebauten Aula des Max-Planck-Gymnasiums zu Gast und fühlen uns dort sehr wohl.


Reinhold Jablonski im Gespräch mit Martin Schließler

Noch ein Wort zu den Vortragswarten, ohne die eine erfolgreiche Vortragsarbeit nicht möglich wäre. Sie sind es, die Referenten und Vortragsthemen auswählen, Termine planen und festlegen, Verträge schließen und nicht zuletzt sich um die sektionseigene Geräte wie Leinwand und Projektoren kümmern. Im Laufe von 50 Jahren haben 14 Mitglieder der Sektion dieses Amt (1. und 2. Vortragswart) ausgefüllt.

Abschließend noch etwas zur "Technik" unserer Vorträge. Im Anfang gab es nur die "Klassischen" Projektoren, bei denen der Referent seine Dias (schwarz-weiß oder farbig) selbst "schob" und dabei redete. Die Variante hierzu war, der Referent redete und der Vortragswart musste "schieben". Da nicht jeder Referent mit eigenen Geräten kam (viele kamen noch mit der Bahn zum Vortragsort), musste sich die Sektion umgehend eine eigene Grundausrüstung zulegen wie Leinwand, Projektor und Projektionstisch. Für eine kleine Sektion wie unsere war dies schon eine erhebliche Ausgabe. Die Ausrüstung wurde im Laufe der folgenden Jahre erneuert, erweitert und verbessert.

Etwas schwieriger war es mit der "Technik" bei Filmabenden (16mm-Format). Hier musste sich der Vortragswart oft genug selbst um ein Filmvorführgerät bemühen, z.B. bei der Kreisbildstelle in Groß-Gerau. Die Bedienung des Geräts war dann noch ein Problem für sich. Heute im Zeitalter der Überblendtechnik, Panorama- und Multivision bringen die Referenten in der Regel ihre eigene technische Ausrüstung mit. Unsere eigenen Geräte werden fast nur noch durch Sektionsmitglieder bei Vortragsveranstaltungen benutzt.


Referent Rudolf Hungsberg

Heutige Situation: Derzeit werden von der Sektion Rüsselsheim pro Jahr fünf öffentliche Vortragsabende veranstaltet. Bekannte Referenten werden hierzu regelmäßig eingeladen, wie Walter Hellberg, Hans Steinbichler, Dieter Seibert, Dieter Freigang, Claus Hock und Wolfgang Rauschel, um nur einige zu nennen. Aber auch Referenten aus unserer Sektion sind mit guten Vorträgen an den Vortragsabenden vertreten. Die Zuschauerzahlen liegen im Schnitt zwischen 65 und 90, einige über 100. Die Tendenz ist leicht steigend. Der Eintritt ist frei. Eine freiwillige Spende am Ende des Vortrags wird gerne angenommen, übrigens eine Lösung mit erfreulicher Resonanz bei den Besuchern.

Wir wollen den eingeschlagenen Weg weitergehen mit dem Ziel, noch mehr Besuchern die Schönheit der Bergwelt zu zeigen. Dies ist nur durch eine sorgfältige Auswahl der Referenten und damit einer hohen Qualität der Vorträge zu erreichen. Hier sind wir auf einem guten Weg.

Klaus Vollmar
Vortragswart