Der Kletterturm in Rüsselsheim-Bauschheim
Treffpunkt der Sportkletterer
Schon im Laufe des Jahres 1988 hatte die Jugend der Sektion Rüsselsheim den Sektionsvorstand gebeten, nach Möglichkeiten zu suchen, hier eine künstliche Kletteranlage auf den Weg zu bringen.
Dieser Wunsch fand im Vorstand Zustimmung und Unterstützung. Nur waren die Fragen nach einem Wie oder Wo noch vollkommen unklar, wenn nicht sogar in dieser Region utopisch.
Im fernen München, Sitz der Hauptverwaltung des Deutschen Alpenvereins, entstand eine künstliche Kletteranlage im Ortsteil München-Thalkirchen. Eine künstliche Kletterwand in Rüsselsheim? Etwas sonderbar war diese Vorstellung schon, aber warum eigentlich nicht in Rüsselsheim? Stetig steigende Kraftstoffpreise, immer teuerer werdende Eisenbahnfahrten, und besonders die sich ständig vermehrenden immer neuen Kletterverbote an den heimischen Felsen in der Pfalz, im Taunus und in der Rhön haben den sehr aktiven Jugendgruppen in der Sektion Rüsselsheim des Deutschen Alpenvereins Mut gemacht, an die Sektionsleitung mit der Frage heranzutreten, in welcher Form besonders Jugendliche noch an den Klettersport herangeführt werden können.

Montage der Platten
Berge und Felsen sind nicht wie in München nur ca. 100 km entfernt, sondern von Rüsselsheim beträgt die Entfernung ca. 500 km, mal mehr oder auch mal weniger. Eine neue Sportart wurde erfunden, "Sportklettern" hieß von nun an eine gänzlich andere Art des Kletterns an künstlichen Kletteranlagen. Besonders in Frankreich finden viele Kletterer Gefallen an dieser Sportart, wobei bereits Meisterschaften für Damen und Herren, aber auch für Jugendliche zur Austragung gekommen sind. Welche Kosten und Mühen eine solche Anlage mit sich bringen würde, war für uns noch eine völlig unbekannte Angelegenheit. Aber das Ziel war abgesteckt, nur den Weg zu diesem Ziel mussten wir noch suchen.
Ein erster glücklicher Zufall kam der Sektion Rüsselsheim zur Hilfe: Anlässlich der Gewerbeausstellung 1988 des Gewerbevereins Rüsselsheim wurden auch die Rüsselsheimer Vereine gefragt, ob man sich an dieser Ausstellung in und an der Walter-Köbel-Halle mit einem Stand beteiligen möchte. Wir haben gemeinsam mit der Jugend der Sektion eine Kletterwand aus Holzplatten und Holzgriffen erstellt. Nach Rücksprache mit der Stadt mussten wir auch einen Statiker für die Sicherheit dieser Kletterwand einschalten. Entsprechende Zeichnungen wurden ausgearbeitet und dem Antrag beigefügt. Diese erste Kletterwand in Rüsselsheim war auf der Gewerbeausstellung 1988 eine besondere Attraktion und fand regen Zuspruch, besonders bei den jugendlichen Besuchern. Und so wurde weiter in Richtung "Kletteranlage" gedacht und gearbeitet.

Ausbau des 4m-Überhangs
Die Stadt Rüsselsheim plante zum etwa gleichen Zeitpunkt eine neue Sporthalle im Ortsteil Bauschheim, vorwiegend für die dort tätigen Sportvereine. Ob man dort eine derartige Sportkletteranlage einbauen könnte? Viele Besprechungen mit verantwortlichen, aber auch unsere Arbeit unterstützenden Dienststellen der Stadt Rüsselsheim, mit dem Magistrat, Sportamt, Hochbauamt und dem Ortsbeirat Bauschheim waren notwendig, um einen geeigneten Weg zu finden. Aber auch viele Einzelgespräche mit den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung und deren Ausschüsse haben uns in unserer Arbeit bestärkt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Jedoch gab es auch eine Reihe von Hindernissen, die uns hin und wieder an unserer Arbeit zweifeln ließen. Wir hatten uns vorgestellt, die Klettereinrichtungen in das Innere der neuen Halle zu montieren. Aber - das besondere Baukonzept der neuen Turnhalle als Niedrig-Energie-Halle in Rüsselsheim-Bauschheim brachte es nach einem sorgfältigen Studium der Bauzeichnungen gemeinsam mit den beiden Architekten dieser Sporthalle und intensiven Diskussionen im Vorstand der Sektion an den Tag, dass es in dieser neuen Sporthalle nicht möglich war, eine Kletteranlage als Indoor-Anlage zu installieren. Zwei wesentliche Fakten gaben dazu den Ausschlag: Der nicht vorgesehene Einbau von Prallschutzwänden zum Schutz der Sportler anderer Sportarten in der Halle vor den Kletterelementen und die nicht ausreichende Hallenhöhe für notwendige, richtig bemessene Sturzräume bei einem evtl. Sturz in die Sicherheitsseile während der Klettersportübungen oder des Leistungssportkletterns. Neue Überlegungen waren notwendig und es folgten eine Reihe von abendlichen Sitzungen in der Kanzlei der Architekten in Darmstadt. Gleiches galt auch für eine erneute Vielzahl von Besprechungen im Hochbauamt und Sportamt der Stadt Rüsselsheim. Es entstand die Idee einer Freiluftanlage auf dem zur Sporthalle gehörenden Grundstück hinter der Halle. Dabei wurde der Bau einer Kletterwand verworfen und der Bau eines Kletterturms entwickelt. Dieser Turm sollte derart gestaltet werden, dass er allen Kletterfreunden nach Möglichkeit gerecht werden konnte.
Am 6. Mai 1992 fand das Richtfest der Sporthalle Bauschheim statt. Auch wenn die endgültige Fertigstellung der Sporthalle noch bis zum Jahresende 1992 dauern sollte, so konnte die Sektion Rüsselsheim des Deutschen Alpenvereins mit ihren Jugendgruppen, den "Climbär´n", den Kletterturm im Beisein der Richtfestgäste in Betrieb nehmen und schon einen ersten Einblick in diese Sportart geben.
Im Jubiläumsjahr 2003 zum 50-jährigen Bestehen der Sektion Rüsselsheim des Deutschen Alpenvereins kann die Sektion auf eine mittlerweile 11-jährige Sportklettertradition in der Stadt Rüsselsheim zurückblicken. Allen Beteiligten an dieser Sportanlage möchten wir, ganz gleich in welcher Funktion oder Verantwortung sie an diesem vorbildlichen Werk mitgearbeitet haben, nochmals unseren herzlichen Dank zum Ausdruck bringen.
Paul Wolske.
