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Geigen-Gipfelkreuz:
Eine Montageanleitung aus der Sektion

Dass Menschen ein Kreuz tragen, ist uns spätestens aus der Römerzeit überliefert, in der dieser schweißtreibende Transport in der Regel einer qualvollen Hinrichtung voranging. Der unangenehme Beigeschmack, den die Prozedur aufweist, ist in der noch gebräuchlichen Redensart erhalten. Heutzutage ist Kreuz-Tragen eher unter Alpinisten in Mode. Es dient indes nicht mehr als Bestrafung, wie neun Mitglieder der DAV Sektion Rüsselsheim eindrucksvoll unter Beweis stellten.

Nachdem ein heftiges Gewitter im Pitztal das Gipfelkreuz auf der Hohen Geige, dem Hausberg der Rüsselsheimer Hütte, zerstört hatte, ging man die Ersatzbeschaffung an. Vorstandsmitglied Ernst Streck erbot sich, ein neues Gipfelkreuz nach einem Vorbild aus den Pyrenäen zu schmieden. Mit dem erwirkten Vorstandsbeschluss in der Tasche führte der Weg die Alpinisten jedoch zunächst nach Rheinhessen - in eine alte Schmiede. Nach sieben Stunden harter Arbeit unter Anleitung, gepaart mit Diskussionen über " mehr oder weniger Schnörkel " (Main-Spitze, 19.09.1995), wurde das Schmiedefeuer gelöscht. Das Kreuz war fertig, 2,25 Meter hoch und gut 50 Kilo schwer.

Nachdem der Vorstand sein Gefallen bekundet hatte, teilte Ernst Streck noch in der Sitzung mit, dass er das Kreuz anlässlich seiner 40-jährigen Vereinsmitgliedschaft stiften werde. Zudem war er der Meinung, das Kreuz solle von Sektionsmitgliedern aufgestellt werden.

Das Werk ist vollbracht: Einweihung Gipfelkreuz
Das Werk ist vollbracht: Einweihung Gipfelkreuz

Organisation ist alles! Und so begann die Suche nach Teilnehmern der Expedition ins Pitztal. Am 11. August traten neun Mitglieder der Sektion per Pkw die Reise an. Das Kreuz hatte man auch in ein Fahrzeug bekommen. Nachdem Karl Arras, Peter Drischler, Wolfgang Gurk, Norbert Hahner, Udo Kaiser, Pedro Moder, Bruno Pempe, Gudrun Scharfenberg-Streck und Ernst Streck das Kreuz in die Materialseilbahn gehievt hatten, stiegen sie am Nachmittag des 11. August zur Hütte auf. Noch am selben Tag - nach kurzer Rast - wurde das Kreuz mit einer Tragestange verlängert, Blitzschutz, Moniereisen, Werkzeuge und 120 Kilo Fertigbeton wurden verteilt, ehe man sich auf dem Normalweg zur Hohen Geige aufmachte. Motto: "So weit, wie wir heute kommen."

Mühevoll, mit vielen Pausen und den unterschiedlichsten Tragetechniken hatte man um 19 Uhr den Steilaufschwung des Berges auf 2.700 Metern erreicht und deponierte die Lasten. Ein aufkommendes Gewitter sorgte dafür, dass der Abstieg zur Hütte wie im Flug ging. Am nächsten Morgen war man für 6.30 Uhr zum Abmarsch verabredet. Jeder sollte sein Tempo gehen, Last aufnehmen und zum Gipfel steigen. Gegen 10.30 Uhr

hörten die letzten Bergsteiger im dichten Nebel Jubel von oben. Bruno Pempe und Pedro Moder hatten allein das Kreuz über 700 Höhenmeter auf den Gipfel geschafft. Nun wurde Beton mit Schnee angerührt und das Kreuz einbetoniert. Der Fuß erhielt eine Blitzableitung und wurde mit schweren Steinen zusätzlich geschützt. Man schrieb den 12. August, 13 Uhr. Unbestätigten Gerüchten zu Folge soll an eben diesem Tag der Normalweg zur Hohen Geige an der ein oder anderen Stelle einen gut befestigten, neuen Zement-Untergrund erhalten haben.

Gabriele Wacker