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Quer durch den Bregenzer Wald und das Lechquellengebirge

Eine Bergwanderung im Juli 2000, kombiniert mit alpiner Ausbildung



Wieder einmal reisen wir, das sind die Teilnehmer Franz, Günter, Helmut, Karl-Heinz, Kurt, Luise, Ortwin und ich als Leiter, bequem und umweltfreundlich per Bahn zum Startpunkt unserer Gebietsdurchquerung - Rankweil in Vorarlberg - an. Der Bus, der uns nach Dafins bringen sollte, saß in einer Radrennveranstaltung fest; so müssen wir unplanmäßig in 1½stündigen Marsch bei schwülheißen Temperaturen schweißtreibend zu Fuß aufsteigen. Im Gasthof "Zur Krone" in Dafins lassen wir es uns dann gut gehen.


Einige der Teilnehmer (v.l.n.r.):
Franz, Wolfgang, Günter, Luise, Ortwin, Kurt, Helmut
(alle Fotos: W. Gurk)


Schon am Abend erhalten wir einen Vorgeschmack auf das schon in der Langzeitprognose vorhergesagte Wetter: ein heftiges Gewitter lässt das Gasthaus erzittern!

Aufstieg zum Freschenhaus (1846m), Hoher Freschen (2004m)

In der Nacht hat es weiter gewittert und kräftig geregnet, doch als wir nach reichhaltigem Frühstück unser Quartier verlassen, ist der Himmel aufgelockert, aber die Wolken deuten auf Warmluft und Gewitter, spätestens am Nachmittag hin. Unsere erste Etappe soll uns über einen schönen und aussichtreichen Höhenweg zum Freschenhaus führen und wir genießen eine selten gesehene Bergblumenpracht. Im morgendlichen Gegenlicht leuchten die Blumen und Schachtelhalmwälder in den Waldlichtungen und auf dem feuchten Waldboden begegnen uns schwarz glänzende Alpensalamander. Bei prächtigem Wetter erreichen wir den Kamm, der weiter zum Hohen Freschen hinaufzieht. Über dem Rheintal ragen die Appenzeller Berge auf, darüber ragen schneebedeckt Säntis und Altmann, weiter links die Churfürsten und das Massiv des Räthikons. Der anspruchsvolle Steig führt zeitweilig schwindelerregend durch die steilen Nordabstürze des Nob. Wir legen so etliche Genussrasten ein, bei der Oberen Saluneralpe unterhalten wir uns mit den Älplern und trinken die letzten Reste Himbeermilch aus. Dann sind wir bald am Freschenhaus, einer im Almgelände aussichtsreich gelegenen Alpenvereinshütte. Hier bekommen wir gutes Quartier zugewiesen, genießen die Sonne auf der Terrasse, besuchen den schönen Alpengarten und die nahe Kapelle und schlendern den kurzen Weg hinauf zum Hohen Freschen, unserem ersten Gipfel. Eine schöne Rundumsicht auf Bodensee, Ostschweiz, Allgäuer und Lechqellenberge belohnt die kleine Mühe des Aufstiegs.


Das Freschenhaus ist erreicht

Nach dem Abendessen zieht aus NW und SW in rasendem Tempo eine Gewitterfront heran. Bald stürmt es und rings um den Bodensee sehen wir die Feuer blinken, die Sturmwarnung signalisieren. Das Gewitter ist heftig mit gewaltigen Blitzorgien.

Freschenhaus - Portler Horn (2010m) - Damüls - Faschina


Aufbruch am Morgen bei Schauerwetter

Ein Sonnenloch animiert uns zum Abmarsch. Über einen schönen Höhenweg geht's um die Matona ins Matonajoch. Hin und wieder regnet es noch etwas, dann wird der Himmel blassblau, ein riesiger Regenbogen leuchtet im Osten. Wir genießen herrliche Stimmungen mit glitzernden Tropfen, weißen Wolkenbänken, die sich über die Berge schieben, strahlendes Licht - so etwas kann man nur unterwegs erleben, wenn man auch mal bereit ist, bei unangenehmerem Wetter loszumarschieren.


Nebelstimmungen auf dem Weg zum Portler Horn

Beim "Schlenker" über das Portler Horn überrascht uns der Blumenreichtum, doch kurz vor dem Gipfel kommen wir in die Wolken, Sicht gleich Null! Dazu starker Seitenwind und beginnender Regen. Der Schauer ist heftig - und dauert etwas länger als erwartet. Abstieg über Almwiesen. Dann ist auch der Regen zu Ende, die Sonne kommt heraus und als wir an der Kirche von Damüls ankommen, sind wir wieder getrocknet. Das Kirchlein ist ein Kleinod mit ihren alten Fresken aus dem 16. Jh.


Nach dem Regenguß

In unserer Pensionsunterkunft in Faschina genießen wir die schönen Zimmer und das gute Essen. Dann erleben wir vom gemütlichen Gastraum aus ein grandioses Schauspiel: Ein Unwetter zieht auf mit ausgiebigem Wolkenbruch und Hagelschlag.

Bartolomäus-, Zafernalm - Hochschere - Biberacher Hütte (1846m)

Heute, am dritten Tag unserer Streckenwanderung, geht's auf einen langen Höhenweg. Auch für diesen Tag ist die Wettervorhersage ungünstig: Gewitter und Regen ab Vormittag.

Schwülwarmer steiler Aufstieg zur Bartolomäusalm. Oberhalb, im Joch, beginnt es zu regnen. Wir queren den Hang und sehen bald unter uns die Zafernalm, die wir im inzwischen strömenden Regen erreichen. Im Wirtschaftsraum werden Tisch und Bänke aufgestellt und wir wärmen uns mit heißer Milch, Kaffee und Tee. Während wir im Trockenen sitzen, trommelt der Regen auf das Dach der gastlichen Almhütte. Nach etwa einer Stunde lässt der Regen etwas nach, so dass wir bald die Kehren in Richtung Hochschere (2013m), dem Übergang ins Große Walsertal, aufsteigen. Kurz vor einem steilen Firnfeld naht abermals ein Gewitter. Am gelegten Geländerseil wird die Gefahrenstelle gequert, zuletzt ein Geröllanstieg, dann sind wir im Joch - allerdings blitzt und donnert es nun, d.h. nicht auf dem Grat aufhalten und die Seilsicherungen nicht anfassen!! Ein Unterstand ist hier nicht zu finden. Dann folgt ein recht zugewachsener Höhenweg, bei dem Regen keine ganz angenehme und leichte Sache.

Später als geplant erreichen wir unser Ziel, die Biberacher Hütte - aber wichtig ist, dass alle wohlbehalten angekommen sind. Die Hütte ist sehr aussichtsreich gelegen, aber leider hatten wir wetterbedingt nichts davon genießen können. Das gute Abendessen, die Herzlichkeit der Hüttenwirtin und die schönen Lager halfen uns, das Tageswetter rasch zu vergessen, und wir haben es besonders zu würdigen gewusst, dass diese Hütte einen gutbeheizten Trockenraum besitzt!

Biberacher Hütte - Metzgertobel - Göppinger Hütte (2245m)


Abschied von der Biberacher Hütte

Geplant war die Überschreitung der Braunarlspitze, doch aufgrund der gestrigen anstrengenden Etappe, der vorherrschenden unbeständigen Witterung und der noch vielen Schneefelder beschließen wir, leichter und kürzer durch den Metzgertobel unser Ziel zu erreichen. Die öfter sich zeigende Sonne lädt zu mehreren genussreichen Rasten in herrlicher Blumenpracht ein. Zuletzt führen weite Firnfelder zur Göppinger Hütte, die wieder eine prächtige Rundsicht und Ausblicke auf die Lechtaler Alpen bietet.

Unser Weg für morgen wurde in diesem Jahr noch nicht begangen. So gehen wir erst einmal ein Stück des Weges, um uns den ersten Teil des Verlaufes anzusehen. Firn gibt's hier genug in allen möglichen Steilheiten, also ein gutes Nachmittags-Trainingsgelände. Jeder soll eine Spur anlegen und einen Sturz selbst abfangen können. Dies klappt zuletzt auch bei unseren "Neulingen im Firn" recht gut, eine gute Basis für unsere nächste Tagesetappe. Am Abend knibbeln wir Knoten und üben uns im Anseilen.

Göppinger Hütte - Johannisjoch - Freiburger Hütte (1918m)


Am Morgen bei bestem Wetter vor der Göppinger Hütte

Heute haben wir Kaiserwetter. Die Sonne scheint, die Sicht ist prächtig. Unsere Gruppe teilt sich: Drei aus unserer Gruppe ziehen es vor, durch das Tal zur Freiburger Hütte zu gelangen.


Aussichtsreich gehts über den Firngrat

Auf dem Höhenweg kommen wir gut voran, die Firnfelder sind kein Problem, der Firn ist griffig und fest. So queren wir die steilen Hänge, spuren in winterlicher Umgebung im Firn hinauf ins Obere Johannesjoch (ca. 2400m) wo wir zur längeren Rast bei herrlicher Aussicht auf Lechtaler, Verwall, Silvretta und Rhätikon verweilen. Abstieg über Schotter, Schrofen und Karst, dazwischen immer wieder prächtige Blumenrasen, zur Formarinalpe mit einer "Milchrast-Einkehr" und kurzem Anstieg zur Freiburger Hütte.


Am Felsenweg mit Blick auf den Formarinsee kurz vor der Freiburger Hütte

Über den Gehrengrat zur Ravensburger Hütte ( 1947m)


Bergblumenpracht am Gehrengrat


Karrenfelder im "Steinernen Meer"

Am Morgen geht's in Richtung Gehrengrat. Heute ist kein Gipfelwetter, denn die Berge hüllen sich in Wolken. Wir steigen im Sonnenschein auf, doch wir sollen noch so manchen Schauer abbekommen. Besonders beeindruckt uns das "Steinerne Meer", eine Karstlandschaft mit Höhlen, "Karrenfeldern" und Dolinen, in den Felsspalten viele Alpenblumen wie in einem prächtigen Steingarten. Kurzweiliger Anstieg hinauf zum Gehrengrat (2439m). Das zeitweilig gute Wetter und die Blütenflora verleiten zu manch ausgiebiger Rast zwischen Enzianen, Murmeltieren und in Sichtweite zu äsenden Steinböcken. Kurz nach unserer Ankunft an der Hütte geht ein schwerer Hagelschauer nieder, der - zumindest im Umkreis der Hütte - alle Blumen zerstört.

Am Abend vergeht die Zeit wie im Fluge bei Übungen mit Karte und Kompass, Wetterkunde und Knoten.

Ravensburger Hütte

Regentag - faulenzen. Wir setzen die Übungen vom vorigen Abend fort. Am Nachmittag geht's in den Regen; Helmut hat am oberhalb der Hütte ein steiles Firnfeld entdeckt, das wir bei unseren Übungen so richtig durchwühlen: Gehen im steilen Firn und am fixen Seil, Legen eines Geländerseils, "Toter Mann" usw. Abschließend besuchen wir eine nahe gelegene Alm, trinken frische Kuhmilch, und kehren zurück zur Hütte. Am Abend geht der Regen in Schnee über.


Firnübungen in Sichtweite zur Ravensburger Hütte

Abstieg nach Langen am Arlberg - Heimreise

Grieselschneeschauer, leichter Neuschnee. Weiter oben geschlossene Schneedecke. Wir genießen den Abstieg auf gutem Weg durch eine wilde Landschaft und mit eindrucksvollen Nebelstimmungen. Die Bergfichten wirken in den Nebelschleiern wie ein Geisterwald. Es bleibt wolkig. Wir sind rechtzeitig in Langen am Bahnhof, ziehen uns um und duften bald so, daß kein Mitreisender merkt, daß wir eine Woche in den Bergen unterwegs waren.


Die Heimreise wird nach einer erlebnisreichen Woche angetreten

Wolfgang Gurk