Umweltschutz - Rüsselsheimer Hütte
- Umweltgerechter Aufbau
- Energieversorgung
- Brandschutz und Brandmeldeanlage
- Fluchtwege- und Notbeleuchtung
- Trinkwasserversorgung
- Abwasserreinigung
- Abfallentsorgung
- Resümee - das geht uns alle an
- Förderung der Umweltprojekte, Planung und Projektleitung
- Weiterführende Dokumente und Webseiten
Umweltgerechter Umbau
Durch das immer höhere Bewusstsein der Menschen für den Umweltschutz und der vom Gesetzgeber angepassten Vorschriften sind auch in den Schutzhütten umweltgerechte Maßnahmen zum Schutz der besonders empfindlichen Hochgebirgslandschaft erforderlich. Wir haben gemeinsam mit den Behörden und Planern für die Themen
- Energieversorgung
- Brandschutz
- Wasserversorgung
- Abwasserentsorgung
- Abfallentsorgung
umweltverträgliche Lösungen gefunden. Die Abfallentsorgung ist dank
der Materialseilbahn in die Infrastruktur der Talgemeinde Sankt Leonhard eingebunden.
Für die restlichen Themen bestehen für die Rüsselsheimer Hütte
Insellösungen.
Insgesamt wurden für die umweltgerechten Maßnahmen mehr als 250.000 € investiert.
Nur mit Hilfe von namhaften Förderungen durch Deutsche und Österreichische
Institutionen konnte dies geleistet werden.
Energieversorgung

Für die Errichtung der Energieversorgung erhielt die Sektion eine wesentliche finanzielle Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Die gesamte Energieversorgung für Kochen, Warmwasser, Licht, Kühl- und Gefriergeräte erfolgte bis zu dieser Zeit ausschließlich mit Gas und gelegentlich mit einem Benzin betriebenen Stromaggregat. Licht durch Gasleuchten gab es nur in der Küche und im Gastraum.
Zielsetzung:
- Die erzeugte Energie soll ausreichend sein, um den Bedürfnissen und Erfordernissen des Hüttenbetriebes gerecht zu werden, daher ist unbedingt der Hüttenwirt in die Planung einzubeziehen
- Die Maßnahmen sind ganzheitlich zu planen, ggf. kann aus Kostengründen eine schrittweise Umsetzung erforderlich sein
- Die Anlagen sollen betriebssicher und störungsfrei den Hüttenbetrieb gewährleisten
- Die Beleuchtung des ganzen Hauses inkl. der Winterhütte soll mit elektrischer Energie erfolgen
- Ersatz der mit Gas betriebenen Leuchten und der Geräte für Kühlen und Warmwasser durch Elektrogeräte (bzw. Holzpelletofen für Warmwasser)
- Möglichkeit des Einsatzes von elektrisch betriebenen Geräten, wie Notruf, Ladestation für Handys, Küchenkleingeräten, Brandmeldeanlage etc.
- weitgehender Einsatz von regenerativer Energie in Form von Solarstrom, Wasserkraft sowie Holz als Basis für die Warmwassererzeugung und zum Kochen.
Ausführung:
- Für die elektrische Energie sorgen jetzt zwei Standbeine: eine Fotovoltaikanlage und ein Kleinwasserkraftwerk, gekoppelt mit einer aufladbaren elektrischen Batterie. Eine Steuerung organisiert die Ladung der Batterie sowie das technische Zusammenspiel der einzelnen Komponenten je nach Leistungsbedarf.
- Die Warmwasserversorgung erfolgt in erster Linie mittels eines mit Holzpellets betriebenem Kombinationsherd für Kochen und Heizen und nachgeschaltetem 400-Liter-Warmwasserboiler. Überschüssige elektrische Energie aus dem Kleinwasserkraftwerk wird ebenfalls zur Wärmegewinnung im Boiler genutzt.
- Zur Energieeinsparung wurden konsequent energiesparende Geräte und Leuchten eingesetzt.
- Nicht zuletzt konnte auch ein wesentlicher Komfort für Gäste und Personal erzielt werden.
Da die installierte Leistung begrenzt ist, ist die unmittelbare Mitarbeit des Hüttenwirts erforderlich. Er „managed“ den Energieverbrauch in den Grenzen des Angebotes: Die Stromkreise sind von der Küche aus zu- oder abschaltbar, so dass bei knappem Energieangebot (bei trüber Witterung oder knappem Wasserangebot) bestimmte Verbraucher ausgeschaltet bleiben. Die Sektion ist froh darüber, einen Wirt zu haben, der die Zusammenhänge versteht und entsprechend handelt. Zu seiner Erleichterung für den Wirt befindet sich in der Küche ein Tableau, das über LED-Signale den Ladezustand der Batterie anzeigt.

Fotovoltaik

Boiler

Batterie

Technikraum
Übersicht: Energieversorgung der Rüsselsheimer Rütte
Brandschutz und Brandmeldeanlage
Mit der Verfügbarkeit von elektrischer Energie konnte auch eine moderne zentrale Brandmeldeanlage installiert werden. Mit insgesamt 18 automatischen und 5 manuellen Brandmeldern werden alle Räume überwacht. Insgesamt 5 starke, im Gebäude verteilte Sirenen sorgen im Notfall für den Alarm. Die Anlage ist mit einer zusätzlichen Notstrombatterie ausgerüstet, sodass auch bei einem Stromausfall die Funktion gewährleistet ist.

Brandmelder
Fluchtwege- und Notbeleuchtung
Zusätzlich wurde die gesetzlich vorgeschriebene Fluchtwege- und Notbeleuchtung installiert. Die Anlage besteht aus einem zentralen Notlichtversorgungsgerät inkl. Bleibatterie, einer dreiphasigen Notlichtüberwachung und insgesamt 14 Rettungszeichenleuchten. Die Leuchten sind dunkel geschaltet, d.h., sie leuchten nur bei Fortfall der 230 V-Versorgung in der Hütte. Lieferung und Installation durch die Firma DoMa/Imst.

Zentrale mit Notlichtversorgungsgerät und Bleibatterie und Überwachung
Beispiele zur Fluchtwege- und Notbeleuchtung
Trinkwasserversorgung
In der näheren Umgebung gibt es ausreichend Wasser. Es handelt sich dabei jedoch um Oberflächen- und Schmelzwasser aus dem 200m höher gelegenen Weißmaurachsee. Das aus Gletscherresten gespeiste Seewasser kann aus hygienischen Gründen nicht als Trinkwasser genutzt werden. Um die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser sicherzustellen, wurde in 2540 m Höhe mit großem technischem Aufwand eine Quelle erschlossen. Das Wasser wird über Drainagerohre in einem Behälter gesammelt und über eine geschlossene Rohrleitung dem 240 Höhenmeter tiefer gelegenen Zwischenbehälter zugeführt. Von dort wird es zur 50 m tiefer gelegenen Hütte geleitet. Das Überschusswasser wird über eine separate Druckleitung einem Kleinwasserkraftwerk zur Erzeugung von elektrischer Energie zugeführt. Das Quellwasser wird laufend von einem behördlich autorisierten Labor auf seine Qualität als Trinkwasser kontrolliert.
Schema Trinkwassersystem
Abwasserreinigung
Schon im Rahmen der Erweiterung der Hütte in den Jahren 1980/81 wurde ohne behördliche Auflagen eine Drei-Kammer-Klärgrube (Faulgrube) errichtet. Für die damalige Zeit war eine solche Anlage vorbildlich. Diese Form der Abwasserreinigung bereitete aber aufgrund der alpinen klimatischen Bedingungen in über 2000 m Höhe Probleme und genügte nicht mehr den zwischenzeitlich strengeren Umweltschutz-Auflagen. Im Frühsommer 2003 wurde daher eine neue Abwasseranlage gebaut. Jetzt wird das Abwasser durch Filterung in Gewebesäcken gereinigt. Die gefilterten Stoffe werden nach einer Abtrocknungszeit im Winter mit dem Filtersack ins Tal transportiert und dort ordnungsgemäß entsorgt. In einem Abluftkanal werden eventuell auftretende Gase über den Hüttengiebel abgeführt. Eine regelmäßige Wartung in festgelegten Intervallen garantiert die zuverlässige Funktion der Kläranlage. Die Anlage besteht aus Kunststoff-Fertigteilen, die per Hubschrauber eingeflogen werden mussten. Sie wurden im Gelände vor der Hütte eingebaut, mit Erde abgedeckt und teilweise mit Natursteinen verkleidet. Eine Beeinträchtigung des gesamten Hüttenbildes wurde damit vermieden.

Kläranlage
Abfallentsorgung
Auf der Rüsselsheimer Hütte wird eine konsequente Mülltrennung verfolgt. Der Abtransport erfolgt über die Materialseilbahn zur Gemeinde Sankt Leonhard. Alle Getränke werden ausschließlich in Pfand-Behältern oder aus Pfandflaschenausgegeben zur Hütte transportiert.
Resümee - das geht uns alle an
Zuvor haben wir Sie ausführlich über die technischen Erweiterungen der Rüsselsheimer Hütte informiert. In den vergangenen fünf Jahren wurden über 500.000 € in das Haus (einschließlich der neuen Winterhütte) investiert. Die Sektion erfüllt damit die immer strenger werdenden Gesetzesauflagen zum Schutz der Umwelt und zur Sicherheit der Hüttengäste. Ohne die finanzielle Förderung durch eine Reihe von Institutionen und die unentgeltliche ehrenamtliche Arbeit von zahlreichen Sektionsmitgliedern wäre dieser Kraftakt nicht möglich gewesen und hätte das Aus für die Hütte bedeutet. Ein Großteil der Investitionen sind getätigt. Was bleibt, sind die auch dadurch immens gestiegenen Unterhaltungskosten für die Sektion. Sie sind von ihr weitgehend allein zu bestreiten. Die Entsorgung der bei der Abwasserreinigung anfallenden Rückstände, die Wartungsarbeiten der gesamten Anlagen belasten das Jahresbudget. Sie kommen zu den schon bisher anfallenden Kosten, wie z. B. Wegereparaturen nach Unwettern und Erhalt der Bausubstanz, noch hinzu. Wir möchten Sie mit diesen Informationen dafür sensibilisieren, dass das Leben hier oben am Berg mit dem Kostenaufwand im Tal nicht vergleichbar ist. Sie tragen mit Ihrem Besuch, der Übernachtung und dem Verzehr dazu bei, dass es auch in Zukunft Berghütten geben wird, auf denen die Menschen erholsame Stunden in einer weitgehend heilen Umwelt erleben können.
Bitte bedenken Sie
Die Investitionskosten pro Gast für die Abwasserreinigung betragen
ca. 2,50 €, die Kosten für eine Kilowattstunde Strom ca. 6 €.
Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie um Ihr Verständnis, wenn
die Preise auf den Hütten etwas höher liegen müssen, als dies
im Tal möglich ist.
Förderung der Umweltprojekte
Wir danken nachstehenden Institutionen für die finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Umweltprojekte für die Rüsselsheimer Hütte.
- Deutscher Alpenverein e.V.
- DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt)
- Land Tirol
- Kommunal Kredit Public Consulting
- Landessportbund Hessen
- Kreis Groß-Gerau
- Land Hessen
Planung der Umweltprojekte
Trinkwasserversorgung: Dipl. Ing. Wilhelm Pambalk, A-6460 Imst
Abwasserreinigung: Dipl. Ing. Engelbert Gstrein, A-6460 Imst
Energieversorgung: Dipl. Ing. Phys. Michael Berger, D-82467 Garmisch-Partenkirchen
Brandmeldeanlage: Fa. Fiegl + Spielberger GmbH & Co KG, A-6020 Innsbruck
Bauherr
DAV Sektion Rüsselsheim
Projektleitung
Trinkwasserversorgung: Ing. (grad.) Paul Wolske
Abwasserreinigung: Ing. (grad.) Klaus Vollmar
Energieversorgung, Brandmeldung und Notbeleuchtung: Wolfgang Resch
Weiterführende Dokumente und Webseiten
- Dokumentation des 1.Vorsitzenden der Sektion Wolfgang Gurk zu den Anlagen der Rüsselsheimer Hütte anlässlich des 6. Internationalen Fachseminars „Umweltgerechte Konzepte für Berg- und Schutzhütten in Benediktbeuern“ im Jahr 2006 (pdf-Datei, Dateigröße: 1978 kb)
- ergänzend zu dieser Präsentation:
Betriebserfahrungen zu den neu errichteten umweltgerechten Anlagenbereichen aus der Sicht von Pächter und Sektion
- Energie- und Abwasserkonzept der Rüsselsheimer Hütte - eine Dokumentation des Ingenierbüros Berger zu den Anlagen der Rüsselsheimer Hütte anlässlich des 6. Internationalen Fachseminars „Umweltgerechte Konzepte für Berg- und Schutzhütten in Benediktbeuern“ im Jahr 2006 (pdf-Datei, Dateigröße: 674 kb)
- Neues von der Rüsselsheimer Hütte (gegen Ende der Saison 2008) Erfahrungen mit den technischen Anlagen nach 4 Jahren Betrieb
- Entwicklung des Stromverbrauchs der Rüsselsheimer Hütte
- Infotafel und Flyer Rüsselsheimer Hütte


